IT-Kolumne: Digitalisierungs-Populismus der GroKo

Das mediale Gezerre der großen Koalition nimmt generell, aber auch bzgl. der Phrase „Digitalisierung“ beschämende Züge an und verkennt die eigentlichen Herausforderungen kommender Entwicklungen. Digitaler Populismus scheint der Groko wichtiger als digitaler Realismus.

Wenn Politiker das Thema „Digitalisierung“ populistisch reduzieren auf …

  • „mehr Breitband für Alle“
  • „mehr Tablets in Schulen“
  • ein schwammiges Statement „Klärung zentraler Datenfragen“

ist dies ein Armutszeugnis bzgl. Durch- und Weitblick.

Die Digitalisierung stellt unsere Gesellschaft vor grundsätzlich neue Herausforderungen:

  1. Algorithmische Systeme sind mittlerweile in der Lage, fehlerfreie Pressetexte selbst zu erzeugen.
  2. 3D-Drucker werden nicht nur den Maschinenbau umwälzen, sondern ggf. ganze Industriezweige vor die Existenzfrage stellen sowie neue Zweige schaffen.
  3. Vollautomatisierte Sprachroboter oder FinTechs sind auf dem Weg, einfache Beratungsfunktionen (Bankberatung, Hotlines etc) zu übernehmen.
  4. Die belegbasierte Zuarbeit zum Steuerberater wird zunehmends durch texterkennende, selbstlernende Cloudlösungen unterstützt.
  5. Einfache Arbeitskräfte werden ggf. künftig durch digitale Assistenten oder mechanische Roboter ersetzt.
  6. Konzepte mit autonomen Fahrzeugen in Städten könnten für die bisherige Transportbranche „spannend“ werden.
  7. Der zunehmende Online-Handel sowie das Konsumverhalten vieler Verbraucher wird künftig auch tagesversorgungskritische Branchen treffen; z.B. stationäre Apotheken, Supermärkte sowie Obst-/Gemüsehändler/anbauer.

Die daraus resultierenden Fragen für die Gesellschaft sind u.a.:

  • Wie sichern wir tägliche „analoge“ Grundversorgung jenseits online bestellter Lieferdiensten vor die eigene Haustüre?
  • Was tun wir mit den von ihrem Arbeitsplatz „wegdigitalisierten“ Menschen?
  • Wie sieht der Bedarf an eingewanderten billigen Arbeitskräften spätestens dann wirklich aus?
  • Was nutzt die Förderung von Unternehmensgründungen, wenn es an Tech-Fachkräften mangelt?
  • Wann bilden wir Informatiker an Schulen und Hochschulen so aus, dass sie nicht nur auf Funktionalität, sondern auch auf hacking-robuste, sichere Software achten?
  • Wann setzt die Politik Haftungs-Signale für Manager, damit Software-Qualität wichtiger wird als Branchenwachstum?
  • Wieviele Bits benötigt man eigentlich für ein sinnstiftendes Leben?

Realitätsabgleich Februar 2018:

Union und SPD verkündeten im Februar 2018 stolz, im Rahmen der Digitalisierung den elektronischen Sport (E-Sport) in der nächsten Legislaturperiode aufwerten zu wollen. Wettbewerbsmäßiges Computerspielen solle z.B. im Vereinsrecht anerkannt werden. (Quelle u.a. Golem.de)
Chapeau! Das dürfte das Mittel der Wahl sein, um mehr Jugendliche zum Erlernen dringend benötigter handwerklicher, technischer und informatischer Fachkraftberufe zu motivieren.
(Ironie aus!)

Frage: Welche Minister kümmerten sich bis dato um die Digitalisierung?
Antwort: Alexander Dobrindt, Sigmar Gabriel, Thomas de Maiziere.

Was will da schon schiefgehen? 😕

Da drängt sich die Frage auf? Wie sicher sind eigentlich die Jobs im Digitalisierungsmuseum? Solch platte Phrasen wie die oben genannten kriegt ein Sprachbot bestimmt auch hin.


 

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