IT-Kolumne: Smart Home, Smart City, Machine Learning – Akte X Rm9sbG93ZXJz

Die Digitalisierung der Gesellschaft ist ein spannendes Thema. Die Mystery-TV-Serie Akte X nahm sich des Thema’s an und beleuchtete als 45-Minuten Spielfilm die satirisch überspitzte dystopische Seite.

Die Folge wirft zu Beginn die Frage auf, welche Gefahren entstehen, wenn sog. Chatbots (Sprach- und Textgeneratoren) in sozialen Medien ihr Unwesen treiben. Der Vorspann nimmt Bezug auf den Microsoft Sprachbot Tay), der sehr schnell wieder vom Netz genommen wurde, da er beleidigende und sogar rassistische Kommentare „erlernte“.

Zwei Personen in einem ansonsten menschenleeren, kaltblau beleuchteten Sushi-Restaurant. Sie beschäftigen sich mit ihren Smartphones. Das Essen wird per Touchbildschirm bestellt, bezahlt wird per Kreditkarte, kein Wort wird gewechselt. Das Essen kommt unpersönlich aus einem Schacht des Tresens. Eine Computerstimme sagt „lecker“.
Beim Versuch das Essen zu reklamieren, entpuppt sich die Küche als „Kochen 4.0“. Drei Zubereitungsroboter und einige autonome Transportwägelchen werten den Kunden als Eindringling. Die Zahlung per Kreditkarte schlägt fehl; die Karte verklemmt sich im Kartenschacht.

Derweil auf den Smartphones: immer wieder „Bewerten Sie unser Restaurant (per Trinkgeld). Wir lernen von Euch.“ (Anspielung auf Machine Learning).
Diese Meldungen werden natürlich von den Protagonisten genervt weggeklickt.

Das bestellte Taxi für den Heimweg entpuppt sich als autonomes Smart-Taxi, das mit ständiger Freundlichkeit aufdringlich wird, zu schnell fährt und sich zunehmend ignorant verhält. (ggf. ein gelerntes Spiegelbild des technikgenervten Passagiers?)

Der Heimweg des zweiten Protagonisten im eigenen Auto gestaltet sich als genauso schwierig. Die Spracheingabe zur Musikwahl verwechselt „Controversy“ mit „Country“. Auf dem Bordcomputer des PKWs erscheint ein Popup des Restaurants: „Bewerten Sie uns. Wir lernen von Euch“ … und wird entnervt weggeklickt. Das Navi schlägt eine Abkürzung vor und die dem Navi überlassende Fahrtstrecke endet nicht zuhause, sondern vor dem Sushi-Restaurant, in dem das Abenteuer begann.

Ein Quadrocopter (Paketdrohne) liefert einen unbestellten Bodenstaubsauger-Roboter. Das Bediendisplay des Smart Home blendet plötzlich die Bewertungsaufforderung des Restaurants ein und wird weggeklickt. Derweil befördert der Bodenstaubsauger unter dem Bett Privates hervor, befreit sich aus dem Rücksendekarton, in den er kurz zuvor verpackt wurde. Das Smart Home verriegelt die Türen; gefangen im digitalen Zuhause.

Im anderen Zuhause tauchen immer mehr kleine Quadrocopter auf (rote LEDs, nicht mehr grün). Die beiden Hauptpersonen entledigen sich Ihrer tragbaren Smart-Devices und flüchten in eine menschenleere Industrie-Fabrikhalle, wo sie von Robotern in die Enge getrieben werden. Das Countdown-Ultimatum der Maschinen lautet: Gebt uns endlich eine Bewertung/Trinkgeld  für das Essen im Restaurant. Widerwillig erfolgt ein Klick auf „10%“ und die Geräte ziehen sich zurück.

Die Smart-Devices wollten nur Anerkennung und Bewertung und brachten damit den Mensch in arge Bedrängnis. Ironie der Sache: Es sind exakt jene Motive und Sehnsüchte nicht weniger Anwender, die Plattformen wie facebook, twitter und & Co überhaupt erst so mitgliederreich machen.

Maschine: „Wir lernen von Euch.“
Mensch: „Wir sollten bessere Lehrer werden“.

Die letzte Minute ist „analoges“ Kontrastprogramm:
Ein menschengefülltes Restaurant, freundliches Sprachgewirr, Zusammensitzen, Reden statt Chatten, freundschaftliche Berührung statt Emoticons, soziale Interaktion statt Follower, Tageslicht statt Display-LEDs. Und auch die Zahlung mit Bargeld ist herrlich unkompliziert, anonym …. und klemmt nicht.

 

 

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