* DSGVO – Kollateralschäden :der Verlust von Informationsvielfalt im Netz, Psychologie der Massen und Staaten

Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung bürdet Kleinstunternehmen, aber auch privaten und nebenerwerblichen Bloggern und Forenbetreibern viele Lasten und Zeitaufwendungen auf.
Im Sinne des Datenschutzes ist dies natürlich begrüßenswert. Einige Kollateralschäden für den Informationsreichtum im Internet bahnen sich bereits an.

Der Zeitfaktor, die hohen Bußgelder und hobbylose Abmahnanwälte (schämt Euch!) – werden führen verständlicherweise dazu führen, dass interessante Internetseiten verschwinden werden, weil deren Betreiber – angesichts der Abmahn gefahren – diese nicht mehr aus Archivgründen und Liebhaberei online lassen – und dafür mühevoll umgestalten – oder mit zusätzlichen Kosten (SSL-Zertifikate) weiterbetreiben wollen.

Eine prominente Seite aus dem Geldsystembereich zog die Konseqenzen. Auch mehrere Diskussionsforen, teilweise 10-15 Jahre alt, erwägen ebenfalls die Einstellung, da man sich dort ausser Stande sieht, die noch zu schwammigen Anforderungen zu erfüllen und man nicht mit einem Freizeitprojekt hohe Abmahnungen und Rechtsstreitigkeiten riskieren will.
Auch ich werde eine Archivseite, die zwischen 1997 und 2001 in einem Freizeitbereich mitführend war, vom Netz nehmen. Über 2000 Themenbesprechungen zu einem Nischenbereich werden damit aus dem Internet verschwinden.

Die DSGVO trat an, um vor allem die Internetriesen bzgl. deren „Datenreichtum“ an die Leine zu nehmen. Es scheint, als tritt stattdessen eine Bereinigung bei der Internetvielfalt ein, bei der vor allem die Internetkonzerne als Sieger und gestärkte Meinungs- und Informations-Monopolisten hervorgehen.

Bürokratie, staatliche Regulierungswut, steigende Steuerlast, Abmahnanwälte, gepaart mit zunehmender rechtsstaatlicher Erosion bringen irgendwann den letzten Funken Motivation zum Erliegen. Zunehmende Rückzüge aus Vereinen, Ehrenämtern und hobbymäßig betriebenen Internetseiten sind die Folge; denn aus diesen Kosten- und Zeitaufwänden kann man sich am leichtesten befreien, während der Zeit- und Kostendruck an anderen Stellen unausweichlich höher wird.

Wir befürchten: etliche Hobbyseiten zu Freizeitthemen, Spezialthemen, Tippsammlungen, alternative Medien etc oder Archivseiten, archivierte Onlinemagazine oder Internetseiten mit einer Schilderung von Produkthistorien (z.B. Liebhaber-Webseiten zu bestimmten Autos, Flugzeugen, Computern etc), Seiten zum Thema Ahnenforschung, Fotos von Demonstrationen in alternativen Medien, privat betriebene Diskussionsforen etc. könnten z.T. ebenfalls verschwinden. Falls das Absicht gewesen sein sollte (Achtung VT!), wäre dies ein perfider Plan: die Meinungsvielfalt würde nicht direkt von der EU verboten, nein besser: die Gängelei mit ehrbaren Absichten war halt einfach so gut, dass die Kapitulation von den Betroffenen in Eigenregie erfolgt.

Wie Gustave Le Bon ca. 1911 in „Die Psychologie der Massen“ im Kapitel über den staatlichen Beamtenapparat sinngemäß schrieb: ein Staat ist historisch stets zur Ausweitung seiner Befugnisse verdammt, bis hin zum Point of No Return.
Selbst in dem Bestreben, die Freiheit und Rechte seiner Bürger zu schützen, schränkt der Staat dann die Handlungsspielräume der Bürger ein. Immer mehr Verwaltungsaufwand  tritt anstelle von unternehmerischer Kreativität und Gemeinsinn. Der Gemeinsinn und damit die Mitte der Gesellschaft zerfällt.
Die Auswirkungen der – wahrscheinlich gut gemeinten – DSGVO sind hierzu – im Bereich des Internets – ein typisches Beispiel.


Zitat aus „Die Psychologie der Massen“, Gustave Le Bon, 1911:
(aus dem Kapitel „Die Parlamentsversammlung“)

„Die fortwährende Schaffung von Gesetzen und Beschränkungsmaßnahmen, die die unbedeutendsten Lebensäußerungen mit byzantinischen Förmlichkeiten umgeben, hat
das verhängnisvolle Ergebnis, den Bereich, in dem sich der Bürger frei bewegen kann, immer mehr einzuengen.
Als Opfer des Irrtums, daß durch Vermehrung der Gesetze

Freiheit und Gleichheit besser gesichert würden, nehmen die Völker nur drückendere Fesseln auf sich. Die Bürger nehmen sie nicht ungestraft auf sich. Gewohnt, jedes
Joch zu tragen (..) büßen sie zuletzt alle Ursprünglichkeit und Kraft ein. Sie sind nur noch wesenlose Schatten, Automaten, willenlos, ohne Widerstand und Kraft.

Wenn der Mensch in sich selbst die Spannkraft nicht mehr findet, muß er sie anderswo suchen. Mit der zunehmenden Gleichgültigkeit und Ohnmacht der Bürger muß der Einfluß der Regierungen nur noch mehr wachsen. Sie müssen notgedrungen den Geist der Initiative, der Unternehmung und Führung besitzen, den der Bürger verloren hat. Sie (die Regierungen) haben dadurch alles zu unternehmen, zu leiten, zu schützen. So wird der Staat zu einem allmächtigen Gott. Die Erfahrung lehrt aber, daß die Macht solcher Gottheiten (Staaten) weder von Dauer noch sehr stark war. Die fortschreitende Einschränkung aller Freiheiten bei gewissen Völkern, trotz einer Ungebundenheit, die ihnen Freiheit vortäuscht, scheint eine Folge ihres Alters und ebenso sehr der Regierung zu sein. Sie ist ein Vorzeichen für eine Entartung einer Gesellschaft, der bisher noch keine Kultur entgehen konnte.“

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