* 1/2: Kommentar zu Bote vom Untermain „Artikel“ Mobilfunkmast Bürgstadt

Der Bote der Telek Boten-vom-Untermain-Artikel vom 12.Dezember 2018 bzgl. des  abgelehnten LTE-Mobilmast-Standorts auf einem Gemeindegrundstück in Bürgstadt „verdient“ einen Kommentar:


Ich weiß nicht, wie oft ich in diesem Blog kritisiert habe, dass in diesem Land sachliche Debatten nicht mehr möglich sind, weil Journalisten und Pressesprecher egal bei welchem Thema Meinungsbildung und Diffamierung betreiben, anstatt eine seriöse Diskussionskultur vorzuleben.


Reproduktionismus oder Journalismus?

Wenn die Meinung eines Telekom-Sprechers als umformulierter Artikel erscheint, läge einmal mehr der Vorwurf des „copy-paste-Journalismus“ nahe, der sich nicht die Mühe macht, pro und contra-Argumente zu suchen. Eine fremde Meinung ohne Reflektion und Gegenbewertung nachzuschreiben, entspricht eigentlich NICHT dem Ehrenkodex der Journalistenzunft, zumal diese Meinung allen Anscheins nach nicht öffentlich geäußert wurde.

Der Artikel erweckt den Eindruck eines Berichts, hätte aber passender gekennzeichnet werden müssen als „Meinung des Mobilfunk-Sprechers eines Internet-Konzerns“ gekennzeichnet werden müssen. Im gesamten Text ist nicht eine persönliche Note, nicht eine kurze Recherche eines schreibenden Journalisten erkennbar; er ist vielmehr eine Zitatesammlung (Zitat aus dem Artikel) von „M.J. von der Deutschen Telekom“.

Wenn für die Zeitungs-Seite „Aus aller Welt“ 1:1 Meldungen vom Ticker übernommen werden, mag das noch der Unterhaltung dienen.

Es wäre jedoch wünschenswert gewesen, einmal kurz zu recherieren und im Artikel anzuführen, welche Funktion der Inputgeber bei der Deutschen Telekom innehat.
20 Sekunden und drei Suchbegriffe liefern: „Seit 2002 ist er bei der Telekom. Zunächst als Pressesprecher für die T-Mobile in Bayern. Damals wurde noch um jeden Mobilfunkmasten gerungen. Jetzt ist er für die Kommunikation von Mobilfunk und Festnetz bundesweit verantwortlich.“

Um das Werbesprech zu übersetzen: Früher nannte man das „Pressesprecher Marketing“.
Heute heißt die Stellenbeschreibung „Head of Communication“.

Emotionen: vorhanden. Meinungsmache: vorhanden. Argumente: fehlen

Wenn der Pressesprecher eines Konzerns den Gemeinderat unterschwellig – ich überspitze mal – in die „Ihr werdet in der Steinzeit schmoren“-Ecke schiebt und mit 0815-Druckmittelfloskeln „Euer Ort wird zurückfallen“ Meinungsmache betreibt, anstatt sich einer Diskussion zu stellen, ist das pressefreiheitlich zwar sein Recht,  aber journalistisch und gesellschaftlich in meinen Augen ein No-Go. Mit einer Fremdmeinung unkommentiert gegen das Gremium Gemeinderat nachzutreten ist eines regionalen Tagesmediums nicht würdig.

Ja, auch ich habe meine persönliche Stellungnahme zum Thema Mobilfunk, EMF und Bürgstadt im Vorfeld an die Gemeinderäte ausgehändigt; jedoch ohne plumpe einseitige Beeinflussung sondern möglichst ausgewogen und auch mit Gegenpositionen; mit behördlichen Quellen und nicht mit Panikseiten. Und genau deswegen respektiere ich nicht nur die Entscheidung der Gemeinderäte sondern ich breche hiermit auch eine Lanze für dieses Gremium, das aus ehrenamtlich agierenden Mitbürgern besteht, und nicht aus Pressesprechern.

Detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung siehe im zweiten Teil


Mein persönliches Fazit

Wenn ich jemals Abonennt des Bote vom Untermain/Mainecho gewesen wäre, nach diesem Artikel hätte ich ihn direkt noch im Dezember 2018 abbestellt.

Nicht, weil ich nicht mit dem Telekomsprecher einer Meinung bin, sondern weil jeglicher journalistische Ethos fehlt, 1:1 ein Meinungsmonolog eines Unternehmenssprechers als journalistischer Artikel veröffentlicht wurde und ein kommunales Gremium in unverschämter Konzernmarketing-Manier abgekanzelt wurde. Wenn ich Medien nutze, möchte ich nicht Meinungsdiktate lesen, sondern durch Argumente bereichert, irritiert und nachdenklich gemacht werden; auch um meine eigene Meinung immer wieder auf den Prüfstand stellen und ggf. überarbeiten zu müssen.

Zur „Digitalisierung“ gehören auch medienkompetente Menschen. Medienkompetent wird man nicht durch Meinungskonsum, sondern durch Meinungsbildung; insofern wäre es hilfreich, wenn wieder mehr Journalisten zwischen „Meinungsmache“, „Meinungsweitergabe“ und „differenziertem Disput zur eigenverantwortlichen Meinungsbildung“ unterscheiden würden.

Ich möchte darum bitten, keinen Journalisten persönlich zu „dissen“ .. er macht ggf. einfach seinen Job (Inhalte, Auflage, Emotionen bedienen, Meinungen darstellen). Vielmehr sollten wir Journalisten ermutigen, wieder stärker auf ihre Aufgabe einer aktiven thematischen Auseinandersetzung zu achten. Dies ist – in einer schnellebig und einzeilig gewordenen Informationslandschaft besonders wichtig, denn die Gesellschaft ist durch fehlende sachliche Tiefe und Agenturticker-Journalismus leider schon polarisiert genug.

Detaillierte inhaltliche Auseinandersetzung siehe im zweiten Teil

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