** Medien-Aufruf – Microsoft, es reicht! – Windows 10 Semi-Annual-Updates, Windows 7 Monthly Updates, zerschossene Rechner und kein Ende

Es wird Zeit, dass sich EDV-Branche und Betriebsverbände erheben! Im November und Dezember 2018 häuften sich bei uns wieder Kundenrechner, die nach dem automatischen Windows10 Update 1803 und 1809 nicht mehr starteten bzw. bei denen eine Anmeldung nicht mehr möglich war. Im Januar 2019 sorgte ein Windows7 Update für zahlreiche Zugriffsprobleme auf Netzwerklaufwerk und in Betrieben für deutliche Arbeitsbehinderungen.


Hier nur einige Symptome:
– Benutzerkennworte werden nicht erkannt/akzeptiert (erst nach Neustarts)
– leerer Desktop, nicht startbare Programme, „tote“ Startleiste
– Fehlermeldung „hardware error sihost.exe“
– Fehlermeldung „hardware error sihost.exe“
– Fehlermeldung „windows\system32\config\sytemprofile\desktop nicht verfügbar“
– kein Zugriff mehr auf Verzeichnisfreigaben, die auf Win7/Win2008Srv-PCs liegen

Ausfälle und entnervte Büroanwender, gefrustete Chefs, stillstehende Buchhaltungen  und/oder gar Produktionsmaschinen könnten die Folge sein.

Mehrfach habe ich in diesem Blog geschrieben, dass wir mit großen Bedenken auf das Jahr 2020 blicken, ab dem in großem Stile Industrie und Firmen auf WIndows 10 wechseln werden, da WIndows 7 nicht mehr mit Updates versorgt wird.

Windows 10 ist eigentlich ein sehr robustes System, wenn da nicht die sinnlosen großen Feature-Updates zweimal im Jahr wären, bei denen quasi das ganze Betriebsystem ausgetauscht wird, Benutzerdaten zur Seite kopiert und nach dem Update wieder zurückkopiert werden. Solche „Experimente“ verbieten sich für jeden Informatiker, der sein Gehirn noch nicht an ein Klickibunti-Programmierframework abgegeben hat.

Der Artikel von Kollege Günter Born über 1803-Update-Probleme spricht ebenfalls Bände. Von den Problemen des Feature-Update 1809 ganz zu schweigen, das bei Testbenutzern gigabyteweise Nutzerdaten löschte, wenn deren Bibliothekenordner (Dokumente, Bilder, Musik, Videos) nicht am Standardort lagen.

Jetzt könnte der Einwand kommen: „Selber schuld, wenn jemand Windows 10 Home benutzt“. Dieses Argument lassen wir nicht gelten, denn die o.g. Probleme traten im Kundenkreis im November 2018 auf, teils auch bei Win10-Professional-Rechnern mit Semi-Annual-Channel-Versatzzeit und betrafen das Feature-Update 1803 vom Frühjahr 2018. Wenn auch nach 6 Monaten Versatzzeit ein Update solche Fehler enthält, dann wird es langsam Zeit für Widerstand?

Unser Aufruf an Microsoft: Stoppt den halbjährlichen Feature-Update-Wahnsinn und verbessert die Qualität der Windows 7 Updates.
Wenn es Rechner von Privatanwendern „zerlegt“, ist es ärgerlich genug.
Aber wenn Firmen und Industrie Arbeitszeit/Produktivität verlieren, Ausfallzeiten erdulden müssen und dazu noch Kosten durch IT-Instandsetzung entstehen, ist das Ende der Fahnenstange erreicht!

Ich jedenfalls bin – aus der  Hompecomputer-Leidenschaft der 80er – Informatiker geworden, um kreativ zu Arbeiten, Lösungen zu suchen und EDV-Umgebungen aufzubauen / zu betreuen. Es mag EDV-Betreuer geben, die sich über jeden Fehler auf Kundenseite freuen (Auftrag = Geld); wir jedoch schätzen es, wenn wir mölglichst viele Kunden haben, bei denen alles reibungsfrei läuft.

Hier müsste sich eigentlich eine Regierung schützend vor ihre Volkswirtschaft stellen… achso … lassen wir das, denn von einem Staat, dessen Innenminister sich zum Höhepunkt der NSA-Affäre mit dem Satz „Für die Rechnersicherheit durch Antivirusprogramme ist jeder Nutzer selbst verantwortlich“ in der Hall-of-Fame der Ahnungslosigkeit (oder der bodenlosen Unverfrorenheit) verewigte, kann man wohl keine Hilfe erwarten. 🙂 Der Konzernschonwaschgang beim Umgang mit dem Thema Auto-Abgasmanipulation ist auch kein Grund zur Hoffnung.

Oder müssen wir eine böse Theorie bemühen? Soll uns das lokal installierte Windows-Betriebsystem durch instabile Updates so madig gemacht werden, dass alle Nutzer entnervt in die elysische Microsoft-Cloud flüchten, um dort mit Abo-Gebühren die Kassen zu füllen? Die Ausfälle der Microsoft-Azure-Cloud/Office365-Cloud der letzten Zeit zeigen, dass es dort auch nicht besser läuft.


Wo sind die mutigen Journalisten der EDV-Branche? Welche EDV-Zeitschrift startet als erstes eine Leser-Umfrage unter EDV-Dienstleistern und unter IT-Abteilungen größerer Firmen bzgl. Frust, Arbeitszeitausfällen und unnötigen Instandsetzungskosten durch hazardierende Windows-Updates?
Lang anhaltender Ruhm wäre diesem Medium gewiss. Oder fürchtet man dort rückläufige Werbeanzeigen von Microsoft? Wenn ja, dann liebe Redakteure und Schreiberlinge: Denkt an diesen Artikel, wenn Eure Redaktion irgendwann mal nach einem Win10-Feature-Update still steht. 🙂

Siehe auch unser Artikel zum Thema Softwarehaftung (März 2018)

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