* Bankguthaben sind nicht das Eigentum des Sparers, Europäische Einlagensicherung, Sparer haften für ausländische Bankenpleiten?

EDIS – europäische Einlagensicherung.
Was nach heilsamer Orthopädie-Sohle klingt, entpuppt sich evtl. als weitere Insolvenzverschleppung für das fußlahme europäische Finanz und Bankenwesen.

Es war einmal …

Vor 10 Jahren haben sie gewarnt, die sog. „Euro-Feinde“, „Euro-Rebelleben“, „Europafeinde“, die „bösen Verschwörungstheoretiker“.
Sie warnten Ende der 1990er vor den Zentrifugalkräften einer rein politisch motivierten – über verschiedene starke Volkswirtschaften übergestülpten – Gemeinschaftswährung, Sie warnten dann vor der Eurorettung, vor den Banken-Bailouts, vor verdeckter Staatenfinanzierung über die EZB, vor dem ESM und zuletzt vor einer schon damals abzeichnenden europäischen Einlagensicherung.

Uschi goes Edis

Nun schreibt sich Ursula von der Leyen EDIS auf die Fahnen ihrer Amtszeit als europ. Kommissions-Vorsitzende; die Spielverlängerung zur Rettung der Banken bei gleichzeitiger Schadensmaximierung für Volkswirtschaften und Bürger geht in die nächste Runde.
Auch hier sagte der deutsche Finanzminister medienwirksam „Wollen wir nicht“ – und später -medienUNwirksam – kam/kommt es dann doch.


Bankguthaben != Eigentum

Zuvorderst muss man sich klarmachen, was Geld auf einem Giro-/Bankkonto eigentlich ist.

Juristisch ist es nicht das Eigentum des Sparers sondern eine Forderung an die Bank, die das Geld gehebelt weiterverleihen kann (Kreditvergabe bei gleichzeitiger Giralgeld-Neuschöpfung und dadurch zusätzlicher Inflationierung).

Kurz und griffig:
– 50 EURO im Geldbeutel sind Eigentum.
– 50 EURO auf dem Bankkonto sind ein quasi ein Kredit an die Bank, mit dem Vertrauen, es jederzeit wieder abheben oder wo anders hin überweisen zu können.

Spinnert?

  • Wikipedia: „Haben-Saldo des Bankkunden stellt eine Forderung aus unregelmäßiger Verwahrung nach Par.700 BGB dar“.
    .
  • FAZ: „Die Bankkunden müssen sich im Klaren sein, dass sie als Konteninhaber letztendlich Gläubiger der Banken sind. Ihre Spareinlagen sind nichts anderes als eine Forderung an das Institut.“

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/sicherheit-beim-sparen-das-bankkonto-ist-keine-sicherheit-14012735.html

Das war schon immer so; auch vor dem Euro. Das Mantra hieß schon vor 10 Jahren „Die Gläubiger müssen an der Bankenrettung beteiligt werden.“ Der Bürger nickte und dachte dabei an Spekulanten und institutioneller Gläubiger. Dass man als Sparer auch Gläubiger der Bank ist, kam nicht in den Sinn. Diese Erfahrung machten zyprische Bankkunden, deren Guthaben während der ersten heißen Phase der Eurokrise oberhalb der 100.000 EUR Marke beschlagnahmt wurde. Naja, das juckt mich nicht, denkt manch einer. Weit gefehlt. Das Erwachen kam für viele normale Arbeiter, deren Arbeitgeber plötzlich keine Löhne mehr zahlen konnten, weil das Geschäftskonto der Zwangsabgabe unterworfen wurde.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/zypern-reiche-bankkunden-verlieren-mehr-als-erwartet-a-891793.html


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Ein lesenswerter Artikel zum Thema:
https://anlegerplus.de/home/die-europaeische-einlagensicherung-ein-schritt-in-die-falsche-richtung/

Zitat: „Edis bedeutet faktisch nichts anderes als die Beteiligung z.B. deutscher Sparer an der Bewältigung z.B. einer italienischen Bankenkrise. Es wäre die Geburt einer Bankenunion, die selbst verursachte Risiken komplett vergemeinschaftet. Das ist das glatte Gegenteil dessen, was die Eurozone braucht, um zurück in die Erfolgsspur zu gelangen. (…) Das Konstrukt Edis setzt damit völlig falsche Anreize, weil es die Konsequenzen für falsche Politik auf andere abwälzt.“

Ja, so ist das im Geldsozialismus. 🙂 Schöne neue Welt.


Ach was … alles übertrieben! Was sagt der Sparkassen/Giro-Verband?

Der brave, biedere Sparkassen- und Giroverband schreibt:

„Anzunehmen ist insbesondere in Fällen starker Kosten für EDIS, dass Einleger aus Furcht einer weiteren Fondsleerung ihre Einlagen selbst bei gesunden Instituten abziehen oder in andere Assets (etwa Bargeld) umschichten.“ (Anmerkung: Deswegen wird das Bargeld derzeit ja auch zurückgedrängt. Ein Schelm, der Böses denkt…).

„Die Verunsicherung (der Sparer) wird insbesondere deshalb hoch sein, weil sich der Absicherungsfonds auf einer für die Bürger bzw. Einleger weit entfernten – europäischen – Staatsebene befindet. Insofern ist die weitere Schlussfolgerung der Autoren falsch, weil sie Ansteckungseffekte durch Einlegerverunsicherung ausblenden. (…) Die Einlegerverunsicherung wird insbesondere deshalb stark sein, weil der Sicherungsfonds auf einer „weit entfernten“ politischen Ebene angesiedelt ist und diese zuständige politische Ebene per Wahlen nicht oder nur begrenzt „abstrafbar“ ist. (…) Woher das besondere Vertrauen der Einleger in ein europäisches System kommen soll, erläutern die Autoren nicht. Allgemeine Meinungsumfragen deuten dabei nicht auf ein grundlegend höheres Vertrauen der Bürger in die Handlungsfähigkeit der europäischen Ebene im Vergleich zur nationalen Ebene hin.“

https://www.dsgv.de/newsroom/blog/edis-kritik.html


Ach was … alles übertrieben! Was sagt der bayer.Genossenschaftsverband?

Das bayerischen Genossenschaftsbank-Blatt widerlegt (lesenwert) 10 politische Behauptungen rund um EDIS:
https://www.profil.bayern/01-2019/positionen/zehn-missverstaendnisse-zu-edis/


Und wie gehts jetzt weiter?

Ob EDIS kommt? Was es anrichtet?

Time will tell. Wir leben in spannenden Zeiten.

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