MS Office und OneDrive an Schulen? Rechtslage unklar

Man fragt sich, warum die Regierung überhaupt Geld für Studien, Berater und Datenschutzbeauftragte ausgibt, wenn so manch eigene Institution über teure, vom Steuerzahler finanzierte Studienergebnisse hinwegsieht.

In Deutschland scheinen mittlerweile einige Schulen auf kostenlose MS-Office-365-Pläne, auf Lehrer/Schüler-Tablets mit MS-Cloudspeicher (Onedrive) zu setzen

Warum das komisch ist?

1) Der hessische Landesdatenschutzbeauftrage im Juli 2019:
„MS-Office 365 mit Cloud/Kontoanbindung ist an Schulen  unzulässig“
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschuetzer-Einsatz-von-Microsoft-Office-365-an-Schulen-ist-unzulaessig-4466156.html
ruderte dann aber einige Wochen später zurück mit der Meldung, derEinsatz sei „geduldet“

2) Ein ausführlicher Artikel kommt zu dem Schluss (beim Einsatz von MS-Office 365 in Unternehmen)
„Letztlich ist zu sagen, dass man sich beim Befolgen der aufgeführten Schritte zwar auf einem guten Weg befindet, aber dadurch keine abschließende Rechtssicherheit beim Einsatz von Office 365 im Einzelfall gewährleistet werden kann. Dies sollte stets durch einen fachkundigen Datenschutzbeauftragten geprüft werden.“
ganzer Artikel hier

3) eine von der Regierung beauftragte Unternehmensberatung stellte 2019 fest, dass die digitale Souveräntiät Deutschlands gefährdet sei aufgrund zu starker Abhängigkeit von inbes. amerikanischen Soft- und Hardwareherstellern“
unser Blogartikel dazu hier

Das Ganze mutet schon etwas widersprüchlich an.

Andererseits werden die Schulen in Punkto effektiver Unterrichtsgestaltung (was nicht per se „digital“ heißen muss) stark alleine gelassen. Da ist es nur verständlich, wenn manche Schulen eigene Wege gehen. Zudem gibt es auch den Sicherheits-Aspekt: Was ist für die Schule sicherer: Wenn jeden Morgen 20 Lehrer mit ihren privaten (und ggf. verseuchten) USB-Sticks in die Schule kommen und diese Sticks an Schulrechner anschliessen, oder ob es nicht doch sicherer ist, wenn per Cloud-Drive (dafür gibts übrigens auch deutsche Anbieter!) nur Office-Dokumente auf separaten Lehrer-Tablets landen, die dann z.B. mit der Anzeige auf Smartboards gekoppelt werden.

Die Abwägung ist schwer; zumal keine klare Rechtssicherheit/lage zu bestehen scheint.

Zudem sollte klar unterschieden werden (und hier lassen viele Presseartikel die j0urnalistische Detailarbeit vermissen!):

  • MS Office 365 A1 – „gratis für Schulen“-Version – diese Variante ist eine reine Webanwendung, d.h. alle Daten liegen nur in der Cloud –
    Diese Variante ist datenschutzrechtlich NICHT vertretbar! Zudem … nein … Daten von Schülern, Schulstunden, Unterrichtsmaterialen gehlren NCIHT in die KrakenCloud-Arme eines US-IT-Konzerns
  • MS Office 365 – Pläne A3/A5 = „kostenpflichtig für Schulen, Aboversion“ – diese Variante bietet echte lokal installierbare Programme (Word, Excel, Powerpoint, etc) (heute „Desktop-apps“ genannt), die man auch vom MS-Account abkoppeln kann – hierzu deaktiviert man in Word/Excel/Powerpoint und in den Windows-Kontoeinstellungen einfach das MS-Office-Online-Konto (das nur zur Software-Aktivierung gebraucht wird)

Kommentar:

Die Schüler nutzen die Programme meist nur (sorry) Banalitäten. Warum belasten wir den Steuerzahler und die Schulen mit teurer Microsoft-Software? Kaufen wir unseren Kindern, wenn Sie 18 Jahre alt sind, exakt dasselbe Auto wie das, auf dem sie den Führerschein gemacht haben? Nein.
Folgerung: Fürs Berufsleben sind Abstraktionsvermögen, Anpassungsfähigkeit und geistige Wendigkeit gefragt. (sollte auch für Lehrpläne und Lehrer gelten)
Warum nicht das kostenlose LibreOffice nutzen? Es hat die gleichen wichtigen Grundfunktionen, sie heißen ggf. nur anders.

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