* Corona: richtiges (!!) Lüften + Maske besser als stundenlange Dauermaske ohne Lüften?

Viele Menschen und Firmen stecken beim Corona-Hygienekonzept noch im Mittelalter (sprich April/Mai 2020) fest.
Frei nach dem Motto: „Ich stelle einen Desinfektions-Handspender sowie eine Plexiglas-Scheibe auf und hänge ein Bitte-Mund-Nasenschutz-tragen-Plakat an die Türe – das reicht„. Reicht nicht; denn in vielen Hygienekonzepten fehlt der Blick auf das richtige Lüften!

(erstveröffentlicht am 23.Oktober 2020)

Entscheidend für die Jahreszeit der geschlossene Räume wird sein: RICHTIGES LÜFTEN und Abstand und Maske.

Artikel „Richtig lüften“: https://www.rnd.de/gesundheit/luften-gegen-corona-wie-lange-und-wie-oft-helfen-luftreiniger-gegen-aerosole-SYSPZ5GYTJBILDNUUTWKPHUK4A.html

Dass sich die Erkenntnis über Infektionswege seit April/Mai 2020 stark verändert hat, dürfte eigentlich kein Geheimnis mehr sein. Feinste Schwebteilchen in der Luft aus infektiöser Atemluft von akut infizierten Menschen transportieren (Aerosole) schweben minuten- bis stundenlang in der Luft (je nach Durchlüftung, je nach Thermik im Raum etc) und reichern sich dort – je nach Verweildauer und Lüftungsmoral – immer „dicker“ an. Dagegen hilft auf Dauer wohl auch die 0815-Maske nicht, denn sie verhindert das „Geradeaus-Schleudern“ von Tropfen und feinsten Aerosolen in Richtung der umgebenden Gesprächspartners. Auf Dauer entweichen Aerosole aber auch aus einer 0815-Maske, insbesondere wenn sie nicht rundum 100%ig anliegt; jedoch entweichen sie nicht schnell nicht nach vorne, sondern stark gebremst nach oben und zur Seite. Aus diesem Grund gibt es die Empfehlung, auch mit Maske Abstand zu halten und sich nicht länger – auch mit Maske – als 30-45 Minuten in ungelüfteten Räumen mit vermeidbaren Kontakten aufzuhalten. Das gilt vor allem im Privatumfeld und im Beruf, denn wir haben uns als Gesellschaft dazu entschieden, das Raumaufenthaltsrisiko in Schulen und Ausbildungsstätten einzugehen … umso wichtiger ist es, dass wir Erwachsenen vernünftig mit angezogener Handbremse – aber nicht panisch und auch nicht totalverweigernd – handeln.

Wichtig ist GUTES Lüften. Gekippte Fenster reichen u.U. nicht aus, denn Sie führen ggf. zu einer chaotischen Luftverwirbelung. Stoß- und Querlüften mit Durchzug z.B. alle 30 Minuten ist die bessere Wahl; wenn kein Raumluftsystem vorhanden ist.



Hier eine Simulation des TÜV Süd: „geschlossener Raum“ versus „halbherzige Lüftung“ versus „Mischlüftung mit Raumluftsystemen“. Man sieht, wie komplex das Thema ist … der Mix der Maßnahmen scheint entscheidend zu sein: Maske + Lüftungstechnik/frequenz + Verweildauer im Raum. Von der Beinflussung der Luftströmung durch Mobiliar wie Schränken, Trennscheiben, Raumtrenner-Regalen und vom Luftauftrieb durch Geräte mit Abwärme (PCs, Monitore etc) ganz zu schweigen.


Strömungsforscher Prof. Christian Kähler im Interview:

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Physiker-und-Stroemungsforscher-Prof-Christian-Kaehler-zu-Gast,sendung1084828.html


Mainzer Forscher haben ebenfalls eine Simulation durchgeführt.
Die Neue Züricher Zeitung schrieb hierzu am 12.Oktober 2020:

In einem der Szenarien teilt sich eine noch symptomfreie, aber bereits hochinfektiöse Person mit drei Berufskollegen einen 40 Quadratmeter grossen Büroraum.
Laut dem Modell besteht bei jedem Kollegen ein individuelles Risiko von 18 Prozent, sich innerhalb von zwei Tagen anzustecken (danach treten in der Regel die Symptome auf, und der Infizierte begibt sich in Selbstisolation). Dieses Risiko halbiert sich, wenn der Raum regelmässig gelüftet wird. Noch besseren Schutz bietet das Tragen einer Maske. In diesem Fall reduziert sich das Ansteckungsrisiko je nach Qualität der Maske um den Faktor 8 bis 40. Ähnlich wirksam ist eine Belüftungsanlage mit Partikelfilter.

Besonderes Augenmerk gilt gegenwärtig dem Ansteckungsrisiko in Schulklassen. Zwar erkranken Schüler viel seltener und weniger heftig an Covid-19 als ältere Menschen. Sie können sich aber beim Lehrer oder bei Mitschülern anstecken und das Virus weitergeben. Inn einem 60 Quadratmeter grossen Schulzimmer mit 24 Schülern liegt das individuelle Ansteckungsrisiko laut dem Modell bei unter 10 Prozent. Wie im ersten Szenario lässt es sich erheblich verringern, wenn alle Schüler Masken tragen und das Schulzimmer regelmässig gelüftet wird.

https://www.nzz.ch/wissenschaft/coronavirus-neueste-erkenntnisse-aus-aktuellen-studien-ld.1559237

Eine japanische Studie stellt fest (nein, doch, oh !):

Das Risiko einer Infektion ist bei trockener Luft deutlich erhöht. (…) So fanden sie unter anderem heraus, dass das Risiko, sich anzustecken, bei trockener Luft deutlich höher ist als bei feuchter. Fällt der Feuchtigkeitsgehalt in der Luft von 60 Prozent auf unter 30 Prozent, ist das Infektionsrisiko bereits doppelt so hoch.
In Räumen, in denen ein Lüften im Winter nicht möglich ist, seien Luftbefeuchter sinnvoll, um das Risiko einer Ansteckung zu senken.

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.09.22.20199489v3

Nein, das konnte man ja nicht ahnen, dass

  • trockene Heizungsluft zu längerem Schweben leichter Teilchen führt (Thermik, warme Luft trägt = steigt nach oben; Grundschulwissen)
  • trockene Heizungsluft Schleimhäute trockener und damit infektionsempfänglicher macht
  • feuchte Luft schwebende Teilchen schwerer macht und damit schneller absinken / weniger lange schweben lässt

Brandneue Erkenntnisse sind das nicht. Jede Hausfrau / Hausmann / Hausdiverser der/die/sonstiges im Winter im Raum gegen die von der Sonne durchschienene Fensterscheibe blickt, nachdem ein Mensch oder Haustier durch den Raum lief und die Luft verwirbelte, kennt den Anblick von seeeeeeehr laaaaaaange schwebenden Feinst-Teilchen. Ich weiß nicht, was beschämender für die Menschheit ist: Das man solche Zusammenhänge in Nachrichtensendungen auf „Sendung mit der Maus“-Niveau erklären muss … oder dass wir bezahlte Forschungsstudien für solche bahnbrechenden Erkenntnisse brauchen. 🙂

Ach und gabs da nicht mal ne App?

Zitat vom 26.10.2020:
„So erklärte die Kanzlerin laut einem Bericht der Bild, sie habe „kein so gutes Gefühl“; sie gehe von weiter stark steigenden Infektionszahlen aus. (,…) Aufgrund von Datenschutzbedenken in Deutschland sei auch der koreanische Weg der Nachverfolgung kein Mittel – aus demselben Grund bringe die deutsche Corona-App wenig.“

Achso? Die Corona-App bringt wenig weil der Datenschutz eine effektive Nachverfolgung unmöglich macht?
Äh, hallo? Der Datenschutz war bereits vor Covid19 da! Und dennoch wurden 20 Millionen EURO Steuergelder alleine für die Entwicklung der App verbrannt; jährliche Wartungskosten exklusive? Willkommen in Absurdistan!

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