** Corona-Virus-Lebensdauer – Schlagzeilenverzerrung der modernen Medienlandschaft und Interpretationsverzerrung ihrer Leser

Wieder ein typisches Beispiel, wie Schlagzeilen eine falsche Panik schüren können …

Schlagzeile: „Coronavirus kann laut Studie bis zu 28 Tage auf Oberflächen überleben.“

Oh Gott, wir werden alles sterben! Also … her mit dem Desinfektionsspray .. sprühen, wischen, sprühen, sprühen!
Oder sollte man die Überschrift erstmal zu Ende denken und ggf. auch den gesamten Artikel durchlesen?

Gegen-Gedanken:

  • Wenn ein Virus auf einer Oberfläche laut Studie „überlebt“, wie ist der Status des „Überlebens“ definiert? Ist es dann noch infektiös? Wenn ja, wie stark oder wie schwach infektiös ist es dann noch?
  • Was muss passieren, damit es den nächsten Berührenden der kontaminierten Oberfläche auch wirklich infizieren kann?
  • Infektion heißt erstmal nur: Infektion. Dann stellt sich die Frage, wie gut/schlecht ist das Immunsystem des Betroffenen und ob die Infektion im Körper weiter ausbricht.

Lesen wir den Artikel mal weiter:

„Bei 20 Grad Celsius, also etwa Raumtemperatur, fanden wir heraus, dass das Virus extrem robust ist und 28 Tage lang auf glatten Oberflächen wie Glas von Handybildschirmen und Kunststoff-Geldscheinen überlebt“, sagte Debbie Eagles, stellvertretende Direktorin des Zentrums für Seuchenvorsorge, das die Forschungsarbeiten durchführte. Bei 30 Grad betrug die Überlebensdauer des Virus hingegen nur noch sieben Tage, bei 40 Grad lediglich 24 Stunden. Auf porösen Oberflächen wie etwa Baumwolle ist die Überlebensdauer des Virus der Studie zufolge generell niedriger: Sie beträgt demnach abhängig von der Temperatur zwischen 14 Tagen und weniger als 16 Stunden.

Das Experiment wurde im Dunkeln (Anm: !!!!) durchgeführt – die Forschung habe bereits gezeigt, dass Sonnenlicht das Virus schnell abtöten könne, hieß es weiter. Bei früheren Studien habe das Virus nur bis zu drei Tage lang auf Kunststoff- und Edelstahloberflächen nachgewiesen werden können.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt es allerdings bislang keine Fälle, bei denen nachgewiesen wurde, dass das Coronavirus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen auf Menschen übertragen wurde und es zu Infektionen kam. Allerdings können den Angaben zufolge Schmierinfektionen über Oberflächen nicht ausgeschlossen werden, die zuvor mit Viren kontaminiert wurden.

Was uns das jetzt sagen will? Naja, zumindest, dass hinter einfachen Wahrheiten in Schlagzeilen meist Zwischentöne und Zusatzkomplextitäten zu finden sind, die das eigene Gedankenmodell, das in der Schlagzeile schon nach Bestätigung einer vorgefertigten Meinung sucht – durcheinanderwirbeln könnten.
Genau das aber macht aktive Mitglieder einer guten Informationsgesellschaft aus: Nicht nach Bestätigung einer eigenen Meinung zu suchen, sondern das eigene Meinungsbild immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Ja, es ist absolut nicht befriedigend, wenn man Artikel liest und danach mehr Fragen offen sind als vorher … aber niemand hat behauptet, das Leben in einem komplexen System sei unkomplex. 🙂

Wer die Komplexität von statistischen Betrachtungen rund um Corona etwas genauer betrachten will, dem seien diese beiden Videos des Mathematik-/Spieltheorie-Kanals von Prof. Rieck empfohlen, den Sie bitte nicht in irgendeine Diskussionslager-Ecke stellen, sondern als nüchternen Betrachter statistischer Einflußgrößen sehen sollten … mit der Einsicht, dass wir Erkenntnisse und Statistiken der Freiluftsaison (März-September) ggf. nicht auf die GeschlosseneRäume-Saison übertragen können.

Warnung: Die Titel der beiden Videos täuschen über die Komplexität des Themas hinweg!

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