** deutsche Banken schlafen – Teil 4 – Disruption bei kleinen Geschäftskonten schreitet voran – solarisBank, Bitwala, Kontist & Co werden die Branche aufmischen

Ich weiß nicht, wie oft auf diesem Blog schon die schlafende deutsche Bankenlandschaft thematisiert wurde. Die Vorzeichen spannender Verschiebungen in der deutschen Bankenlandschaft stehen überall am Horizont.

1) solarisBank: 60 Millionen Euro von Investoren für die Expansion (Juli 2020)

„Mit dem eingesammelten Geld will die solarisBank, so kann man ihrer offiziellen Pressemitteilung entnehmen, den Ausbau des Banking-as-a-Service-Angebots vorantreiben. Lead-Investor der C-Runde ist HV Holtzbrinck Ventures mit einem Investment des Gründungsinvestors yabeo. Wie die solarisBank mitteilt, sind die weiteren neuen Investoren: Vulcan Capital, Samsung Catalyst Fund, Storm Ventures.“
(voller Artikel hier)

Immerhin hat mit Holtzbrinck Ventures eine deutsche Investmentfirma die Zeichen der Zeit erkannt, dass der Großteil der deutschen Banken a) nicht in der Lage ist, den Zahlungsverkehr zu reformieren, b) nicht in der Lage ist Digital Assets/Kryptoverwahrung anzubieten und c) daher Fremddienstleistungen einkaufen/anbinden muss.
Die solarisBank ist hier bestens aufgestellt und liegt u.a. als Dienstleister hinter der BISON-App der Börse Stuttgart sowie hinter dem Kontoangebot des Fintech-Unternehmens Bitwala. Ein anderes Konto-Fintech namens Kontist hat bereits angekündigt, zur solarisBank zu wechseln.

2) Das Fintech-Unternehmen Bitwala bestätigte 2019 in der FAQ der eigenen Firmenhomepage, dass eines der meist angefragten Kontofeatures die Geschäftskonto-Funktion sei und dass man daran arbeite. Dort heißt es:

„Wir werden in den nächsten Monaten unsere Funktionen stetig verbessern, um die krypto-banking Erfahrung noch besser zu machen. Wir haben reichlich Nutzer-Feedback und Kundenwünsche für zukünftigen Funktionen gesammelt und verbessern damit unser Produkt für unsere Kunden. Das erste voll lizenzierte deutsche Bankkonto mit integriertem Bitcoin Wallet samt Handelsfunktion mit unserem Partner solarisBank anbieten zu können, macht uns sehr stolz. Derzeit arbeiten wir hart daran, eine nahtlose, schön gestaltete und einfach zu bedienende Mobile-App zu entwickeln und weitere Kryptowährungen hinzuzufügen.
Sehr viele von euch sind Entrepreneure, Selbstständige und Geschäftsinhaber, die eine passende Lösung für ihre geschäftlichen Finanzen brauchen. Vor diesem Hintergrund werden wir daran arbeiten, in Zukunft auch Geschäftskonten anbieten zu können. Denn das ist eines der am häufigsten bei uns angefragten Features seit dem Start.“

3) Wie die Kostenstruktur eines Fintech-Geschäftskontos aussehen kann, zeigt bereits das Unternehmen „Kontist“.

Während es etliche Banken aufgrund der PSD2-Umstellungen nicht mehr schaffen, dem Steuerberater von Geschäftskonto-Inhabern für die monatliche Buchhaltung einen Kontoumsatz-Auszug abrufen zu lassen und monatliche Geschäftskonto-Gebühren von 50-70 EUR für Kleinstbetriebe keine Seltenheit sind, bietet Kontist ein Geschäftskonto für knapp 17 EUR/Monat an; ohne weitere Kosten, d.h. ohne Zusatzkosten je Transaktion. Für Soloselbständige und Kleinstbetriebe, die ein Geschäftskonto nicht wegen Kreditlinien brauchen sondern nur wegen Abbuchungsaufträgen (SEPA-B2B) oder wegen des Datev-Umsatzabrufs durch Buchhaltungskanzleien, dürften solche Angebote ideal sein.

Fazit:

Die klassische Banken-Landschaft sollte sich warm anziehen. Der Anschluss ist zum Teil längst verpasst; es hilft halt nicht, sich nur immer vom Staat retten zu lassen. Ein zu langes Versteifen auf „Business as ususal“ und Provisions-Optimierung macht oftmals blind für neue Trends. Zudem dürfte die Bankenlandschaft durch etliche regulatorische Aufwände (Basel2, PSD2) bzgl. der für Innovationen zur Verfügungen stehenden Zeit- und Personalresourcen in den letzten Jahren massiv geschwächt worden sein.
Es gilt wohl daher das Motto: „Wenn Du die Konkurrenz nicht schlagen kannst, dann trete ihnen bei“. („If you can’t beat ‚em, join ‚em!“)
Und hier kämen dann mietbare Produktbereiche von Fintechs wie der solarisBank ins Spiel. Ob das Hinzu-Mieten fehlender eigener Bankingdienste jedoch die Kostenstruktur der klassischen Bankenlandschaft und deren Kontoprodukte konkurrenzfähiger macht, darf bezweifelt werden.

PS: Artikel dieser Art sollen keine Werbung sein für die oben genannten Firmen, sondern ein Weckruf an insbesondere die regionalen Banken!

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