*** Einsteiger-Erklärung: Blockchain … was ist das?

Vierte industrielle Revolution, neues Computerparadigma … das sind nur einige Phrasen, wie das Thema Blockchain oftmals eingeordnet wird. Es gibt stundenlanges Einführungsmaterial zum Thema. Stark und lückenhaft vereinfacht könnte man das Thema wie folgt erklären:

(erstveröffentlicht am 03.07.2020)

Blockchain-Computing? Dezentralität?

Stellen Sie sich aktuell einen großen Datenverarbeiter vor (egal ob Finanzdaten, Zahlungsdaten, Sensordaten, Produktionsdaten, Personendaten). Aktuell liegen solche Daten meist zentral bei einem Anbieter, sind für Dritte nicht einsehbar, nicht auf Gültigkeit prüfbar und aufgrund der Zentralität anfällig für Manipulation oder Totaldatenverlust. Auch der Weg, wo die Daten herkommen und welchen Weg von ihrem Ursprung bis in die zentrale Datenbank nahmen, ist nicht nachvollziehbar.

Eine Blockchain – ich werfe Verfahren der 2.ten Generation wie Tangle (z.B. IOTA) oder Hashgraph (Hedera) mit in diesem Topf, auch wenn es technisch falsch ist – kann man sich wie eine auf etliche überregional verteilte Groß- und Kleinrechner dezentrale Datenbank vorstellen, deren Transaktionswege und Datengültigkeit (Wege, je nach Projekt deren Inhalte) von mehreren (!) beteiligten Rechner nachvollzogen, geprüft, mitprotokolliert, gespeichert und mit der „Meinung“ anderer Rechner auf Plausibilität geprüft werden kann.

Erinnern Sie sich noch an die Softwareprojekte „Seti“, „PlanetQuest“ oder „Astropulse“. Heimanwender konnten auf Ihren Rechnern oder Servern Programme installieren, die Teil eines großen Rechen-Netzwerks wurden, in dem sie ungenutzte Rechenleistung der Prozessoren aller Teilnehmer „zusammenschalteten“, z.B. auf der Suche nach neuen Planeten oder der Auswertung ungewöhnlicher Lichtquellen/Pulsare.

Es geht also – stark vereinfacht – um dezentrales und verteiltes Rechnen, verteiltes Computing, verteilte Datenhaltung, nachvollziehbare/validierbare Datenströme und digitale Werte, abgesichert durch kryptographische Verfahren.


Kurzum

  • Daten und Transaktionen werden nicht zentral gestaltet/verwaltet und dann über ein Netzwerk geschickt …. sondern das Netzwerk selbst (oder Teile davon) ist Speicher, Verwalter und Kontrolleur
  • die Transaktionshistorie (der Weg der Daten und die Veränderung der Daten) ist – durch Verschlüsselungstechnik / Kryptographie – unveränderbar; Veränderungen a) auf dem Übertragungsweg und b) in der Speicherung würden anderen Rechnern auffallen.
  • Chancen:
    • Transaktionen und Prüfungen sind ohne Intermediären (Mittelsmänner) möglich (im Blockchain-Wesen würden z.B. Teile der Bankenlandschaft und ggf. auch Notarfunktionen überflüssig)
    • Reduktion von Risiken, die durch unabsichtlich oder absichtlich verfälschte Daten und Prozesse entstehen
    • Reduktion von Kosten durch Wegfall von Intermediären (im Finanzbereich: Person A schickt Geldwerte direkt an Person B; nicht über Bank von A an Bank von B)
    • Automatisierungsmöglichkeiten für Validierung, Vertragsabschlüsse etc (Smart Contracts)
    • Abbau von Branchen- und Systembrüchen zugunsten interoperabler Systeme

Blockchain ist mehr als Bitcoin

Die Massenmedien sind voll von (sorry) dümmlichen Schlagzeilen wie „Diese Firmen investieren in die Technik hinter Bitcoin“ oder „Das sind die besten Bitcoin-Aktien“.
Bitcoin ist keine Firma, Bitcoin gibt keine Aktien heraus, Bitcoin hat keinen Geschäftsführer, keine Rechtsabteilung. Bitcoin ist ein Projekt unbekannten (oder verschleierten) Ursprungs, das Blockchain-Techniken für den Zahlungsbereich erprobt hat und dabei versuchte, einem Inflationierungseffekt durch die Hinterlegung von Rechenleistung entgegenzuwirken. Inflation ist die Ausweitung/Vermehrung der Geldmenge und führt – sofern immer mehr Geld auf eine gleiche oder schrumpfende Warenmenge trifft – immer zu Geldentwertung. Inflation ist also nicht Teuerung, sondern Teuerung (= Kaufkraftverlust von Geld) ist die Folge von Inflation. Auch diese Unterscheidung bekommen die meisten Massenmedien (und viele Wirtschaftslehrer und Wirtschaftsprofessoren) nicht hin.

Ein Missverständnis sollte daher ausgeräumt werden. Bitcoin nutzt zwar die Blockchain-Technik und war/ist wohl das „Projekt“, welches dieser Technik den Weg ins öffentliche Denken  geebnet hat. Aber

  • Blockchain ist mehr als Bitcoin.
  • Und vor allem: Kryptowährung / digitale Werte ist viel mehr als Bitcoin. Kryptotoken sind ein vielfältiges, spannendes Ökosystem; Bitcoin hat lediglich gezeigt, wie’s gehen kann. Andere Projekte haben die Technik längst verbessert, verfeinert, verschnellert oder für sich zum Teil neu erfunden; passend für ihren den jeweiligen Anwendungsfall.
    Ob Bitcoin mehr als nur ein Wegbereiter sein wird, kann niemand sagen; darum geht es auch gar nicht. Jedem das Seine; technische oder finanzielle Glaubenskriege sind nicht hilfreich.

Aus den hunderten, tausenden Projekten hier nur ein kleiner Einblick in die Vielfalt:

  • Industrie 4.0-Projekte wie IOTA ; einziger „Blockchain“-Lichtblick aus dem gelähmten Deutschland, das sich durch jahrzehntelanges Klammern an alte Techniken, Subventionierung längst innovationsbedürfter Alt-Unternehmen und durch irrsinnige Selbstverwaltung in vielen Bereichen ins Abseits geschossen hat
  • Interbanken-, Internationen-Zahlungsverkehr-Fintech-Firmen wie Ripple und R3 (und deren Vernetzungen in der Banken- und Finanzwelt)
  • Industrieprojekte wie VeChain (Fokus auf Nachvollziehbarkeit von Lieferketten)
  • branchenübergreifende Projekte wie Hedera (eher für die Wirtschaft) oder Cardano (für die Gesellschaft, Entwickler, Bürger, Entwicklungsländer)
  • auf Offenheit, Allgemeingut und „banking the unbanked“ setzende Projekte wie Cardano
  • auf Spezialanwendungsfälle zugeschnittene Projekte (Multimedia-Streaming, Micropayments, u.v.m.)
  • auf anonyme Zahlungen setzende Privacy Coins wie Monero, Dash, Zcash (denken Sie dabei auch immer daran: werden die Staaten so etwas fördern, dulden oder gar bekämpfen?)

Technische Anmerkung: IOTA nutzt nicht das Blockchain-Verfahren sondern das eigenes Tangle-Verfahren. Hedera nutzt das eigene Hashgraph-Verfahren.


Möglichkeiten zur Vertiefung / Veranschaulichung (zum Lesen)


ARD – Was ist eine Blockchain?

Video – What is blockchain (englisch, 8 Minuten)


Video – Blockchain in 3 Minuten erklärt (deutsch)


Video – Wie Blockchain das Finanz- und Geschäftswesen verändern kann

Seit Jahren eines der besten Videos zum Verständnis der Umwälzungspotentiale der Blockchain-Idee ist der nachfolgende TED-Talk von Don Tapscott.
Der Referent, der hier aussieht wie der nette technik-begeisterte Rentner von nebenan, ist kanadischer Unternehmer, Management-Professor und Gründer des „Blockchain Research Institute“; einem ThinkTank, die Forschungen, Forschungsprojekte, Machbarkeitsstudien und Veröffentlichungen durchführt. Einige prominente Mitglieder dieser Denkfabrik:
Accenture (IT-Beratungs- und IT-Lösungs-Unternehmen, das derzeit bei vielen Firmen und Konzernen bzgl. Blockchain-Technik berät und deren Einführung begleitet/durchführt), Cisco, Deloitte, FedEx, Fujitsu, Hyperledger, IBM, KPMG, Microsoft, Nasdaq und viele mehr.

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