** Internet wird zur Moorhuhn-Ballerspiel-Schießbude: EU-Klickterror der Cookierichtlinie erreicht u.a. Google-Websuche

Ein Lehrstück, wie kontraproduktiv und technisch dummdämlich die Cookie-Privatsphäre-Regulierung der EU sein kann, ist der Cookie-Hinweis-Terror, der nun – juristisch korrekt – auch auf google.de um sich greift.

Zur Vorgeschichte: Um die eigene Privatsphäre zu schützen, sollte man seinen Browser (Firefox, Internet Explorer, Edge, Chrome, Safari, Opera) möglichst so einstellen, dass Cookies beim Beenden/Schließen aller Browser-Fenster gelöscht werden. Damit minimiert man die Gefahr, dass man man nächsten Tag beim Surfen im Internet von etlichen Internetseiten wieder erkannt wird. Tja, soweit die Theorie, denn der Nanny-Staat mischte sich wieder ein:

Dumm ist dabei nur, dass sich eine Internetseite nur mittels eines Cookies merken kann, ob der Besucher die Cookie-Hinweise gelesen bzw. den Cookie-Hinweisen bereits zugestimmt hat.
Der Dank dafür, dass man seine Privatsphäre schützte ist nun, dass man andauernd bei jeder erneuten Internetsitzung beim Googlen die Cookie-Hinweise wegklicken muss. Das ist dermaßen nervend, dass die Anwender ihre IT-Dienstleister händeringend darum bitten, dies abzustellen. Und wie macht man das? Genau! Man sagt seinem Browser, er soll Cookies dauerhaft speichern … und verschlechtert damit den Schutz der eigenen Privatsphäre. Prima!

Kurzum: Anstatt Datenkraken an die Leine zu legen, anstatt Internetnutzer besser zu bilden und anstatt im Informatikunterricht auch die Disziplin Sicherheit/Privatsphäre zu lehren fordert die Bürokratie nun nahezu auf jeder Internetseite Aufklärungsfenster und Abnickungs-Klicks. Das Surfen im Internet wird zur Moorhuhn-Ballerspielorgie.

Anschaulich bitte!

Stellen Sie sich vor, sie gingen seit 30 Jahren jeden Morgen unbekümmert aus dem Haus.
Nun kommt einem Politiker die Erkenntnis, das jeder, der sein Haus verlässt, dort draussen auch gesehen, gefilmt, von einem Auto überfahren oder einem herunterfallendem Klavier erschlagen werden kann. Nein, doch, oh!
Da muss man doch unbedingt was dagegen tun!!

Also erlässt man umgehend die Verordnung, dass jeder, der Haus verlässt jedes Mal einen Hinweis lesen und unterschreiben muss: „Indem ich mein Haus verlasse, stimme ich zu, dass mich da draussen andere Menschen sehen können. Zudem stimme ich zu, dass jedes Ladengeschäft, dass ich betrete, meine Einkäufe sieht und mich ggf. am nächsten Tag wiedererkennen kann. Zudem stimme ich zu, dass ich mir der Gefahr bewusst bin, dass mich jederzeit ein Klavier erschlagen kann.“
Die Folge: Entweder geht man gar nicht mehr aus dem Haus oder man geht durch den Hintereingang und sagt „Lasst mich mit Euren Warnungen in Ruhe, ich will doch nur Brötchen holen!“

Nun ist es so, dass man da draussen im Internet anhand von Cookies wiedererkannt wird. Man muss sich das so vorstellen, dass quasi jede Internetseite, die man besucht, dem Besucher prinzipiell einen Aufkleber auf die Stirn kleben kann, den nur die betreffende Internetseite wiedererkennen kann (ausser, die Internetseite hat Drittanbieterinhalte wie Facebook/Google etc-Buttons/Statistiktools inkludiert). Wenn man also – im übertragenen Sinne – verhindern will, dass die Apothekerin einen mit den Worten begrüsst: „Hey, Sie sind doch der Typ, der gestern die Fußpilzcreme und das Entlausungs-Shampoo gekauft hat“, dann sollte man sich spätestens am Abend alle Aufkleber von Stirn rubbeln. Dumm dabei ist jedoch, dass da auch der Aufkleber dabei war, der kenntlich macht, dass Sie der Apothekerin zugestimmt haben, dass Sie wissen, was ein Aufkleber auf der Stirn bedeutet. Der Dank ist nun, dass die Apothekerin die Vorschrift erfüllen muss, sie jedes Mal beim Betreten des Laden über die Risiken und Nebenwirkungen eines Stirnaufklebers zu belehren, denn sie erkennt ja nicht mehr – aufgrund des entfernten Aufklebers – dass Sie bereits belehrt wurden. Ihr Einkaufserlebnis wird dadurch jedes Mal so gestört, dass Sie entnervt aufgeben und ab sofort dauerhaft alle Aufkleber auf der Stirn lassen. Die Folge: Privatsphäre beschädigt , aber dafür wieder mehr Ruhe beim Surfen.

Was besser gewesen wäre: Digitale Bildung für Homepage-Ersteller, Marketingagenturen und Homepagebetreiber. Cookies werden insbesondere dann zum Problem, wenn man Werbung oder Drittanbieterinhalte auf seiner Homepage einbindet. Denn die Werbeplattform oder die facebook-Datenkrake kann dann dafür sorgen, dass der Internetanwender, der gerade auf Neckermann-Reise nach „Mallorca“ gesucht hat, auf einem beliebigen anderen Portal eine passende Werbung angezeigt bekommt. Hätte man der Werbeindustrie und den US-Datenkraken diese Sache madig gemacht; wäre es jetzt nicht nötig gewesen, auf eine verfahrene Situation eine noch verfahrenere Heftpflasterlösung aufzusatteln. Aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt: Probleme werden geflickt anstatt Ursachen beseitigt.

Hey Regulierungs-Büroklammer-Technokraten!
Muss jeder Autofahrer vor dem Umdrehen des Zündschlüssels Warnhinweise bestätigen?
Nein. Warum sollte er auch?

Naja, sein Nummernschild könnte von einer Mautbrücke erfasst werden, sein Gesicht von einer Radarfalle fotografiert werden und diese personenbezogenen Daten könnten an Dritte (Auswertungssstellen) weitergeleitet werden. Beim Tanken werden personenbezogene Daten (IBAN der ec-Karte) von der Tankstelle an Dritte weitergeleitet (Zahlungsdienstleister). Zudem birgt Autofahren auch die Gefahr, zu Verunfallen.
Na und?
Naja, darüber muss der Autofahrer doch aufgeklärt werden.
Nö, das ist erstens Alltagswissen und zweitens hat er doch nen Führerschein gemacht!
Got ya!
Wie wäre es denn dann mal mit einem Internetführerschein?
Als Inhaber eines Internetführerscheins könnte jeder Bürger
a) selbst entscheiden, ob er ungeschützt im Netz unterwegs ist
b) einschätzen, welche Konsequenzen das hat
c) entscheiden, ob er Cookieblocker, 3rdParty-Cookieblocker und Adblocker einsetzen will oder nicht. Und zwar ohne Aufklärungsgängelei, die nur existiert, weil es die Politik in 30 Jahren nicht für wichtig hielt, den Ausverkauf der Privatsphäre der Internetnutzer einzudämmen. Die täglichen Klickorgien werden daran nichts ändern, denn wer Daten auf seiner Homepage sammeln will, tut das auch weiterhin; sein „Opfer“ klickt jetzt halt einfach blind auf eine Schaltfläche namens „Akzeptieren“, ohne alles Weitere zu lesen; geschweige denn zu verstehen. So geht Internet!
(Ironie aus)


ANLEITUNG: Wie minimiert man in Firefox den täglichen Google-Cookie-Hinweis-Terror?

Variante A) Holzhammer-Methode: Alle Cookies aller Internetseiten dauerhaft behalten bzw. gemäß der von der Cookie-setzenden Internetseite festgelegten Aufbewahrungsdauer
Folge: starke Beschädigung der Privatsphäre

  • in Firefox oben im Menü auf „Extras“ -> „Einstellungen“ gehen
    (oder oben rechts auf das Dreibalkenmenü -> „Einstellungen“
  • dann in der linken Spalte auf „Datenschutz + Sicherheit“ klicken
  • in der Mitte runterrollen zu „Cookies und Website-Daten“
  • dort den Haken entfernen bei „Cookies/Website-Daten beim Beenden von Firefox löschen“
  • den Karteireiter „Einstellungen“ schließen

Variante B) Nur die Google-Cookies dauerhaft behalten bzw. gemäß der von Google festgelegten Aufbewahrungsdauer Folge: mäßige Beschädigung der Privatsphäre

  • in Firefox oben im Menü auf „Extras“ -> „Einstellungen“ gehen
    (oder oben rechts auf das Dreibalkenmenü -> „Einstellungen“
  • dann in der linken Spalte auf „Datenschutz + Sicherheit“ klicken
  • in der Mitte runterrollen zu „Cookies und Website-Daten“
  • dort auf „Ausnahmen verwalten“ klicken
    • im Feld „Adresse der Website“ eintragen: google.de
      und auf „Erlauben“ klicken
    • im Feld „Adresse der Website“ eintragen: www.google.de
      und auf „Erlauben“ klicken
    • im Feld „Adresse der Website“ eintragen: ogs.google.de
      und auf „Erlauben“ klicken
  • dann auf „Änderungen speichern“ klicken
  • den Karteireiter „Einstellungen“ schließen

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