*** Fehler beim Computerkauf: Impressionen aus dem PC-/Notebookschnäppchen-Gruselkabinett

Der aktuelle Run auf Notebooks und PCs für Home-Office und Home-Schooling führt zu einer Flut an Fehlkäufen. Zudem wittern viele Hersteller und Läden die Möglichkeit, alten Wein in neuen Schläuchen abzufüllen.
Etliche Super-Schnäppchen von 299/399 EUR-Rechnern entpuppen sich als umgebaute Lagerleichen und rosa angemalter Elektroschrott.

Fehler Nummer 1:
Verlassen Sie sich beim Gerätekauf nicht auf Markennamen! („Nur 299 EUR? Naja, HerstellerXY wird ja wohl keinen Schrott verkaufen!“ … wird er doch!) 🙂 Mittlerweile mischt jeder Hersteller in jedem Preissegment mit.
Tipp: Ein gutes Notebook, dass 5-10 Jahre Freude bereiten soll, sollte mit Sorgfalt ausgewählt werden und zwar mit technischer Fachkenntnis, damit gewährleistet ist, dass es nach 4-5 Jahren ggf. bequem und einfach aufgerüstet werden kann.

Fehler Nummer 2:
Verlassen Sie sich auch nicht auf Internetbewertungen. Es gibt eine ganze Branche von Agenturen und dubiosen Geschäftemachern, die sich auf Bewertungsfälschungen spezialisiert haben. Wussten Sie, dass Sie nebenbei Geld verdienen können, indem Sie abends 1-2 Stunden Bewertungen zu bestimmten Produkten abgeben? (googeln Sie mal nach „NDR Dokumentation Clickworker“).
Tipp: Seriöse Dienstleister und Systemhäuser haben ein stärkeres Interesse als Internethändler, dass verkaufte Geräte reibungslos funktionieren und den Kunden nicht verärgern. Nicht die Angebotsmasse ist entscheidend, sondern die Erfahrungswerte mit den angebotenen Geräten. Daher sollten Dinge „ich will unbedingt einen roten Notebook“ oder „ich möchte aber wieder Marke XY“ keine allzu große Rolle spielen. Die Beratung sollte genau auf die Anwendungszwecke abzielen, denn es geht beim IT-Kauf ja immerhin um ein Arbeitsgerät und nicht um ein Bild, das man sich die Wand hängt.

Fehler Nummer 3:
Stundenlange ergebnislose abendelange Surfsitzungen über mehrere Wochen beim Lesen werbeverseuchter Internetportale mit Bewertungen, Tests, Preisvergleichen kosten Zeit und Nerven …. und sicher ist man sich dann auch nicht. Oft ist man dabei auch viel zu fixiert auf Leistungsdaten, obwohl man nicht beurteilen kann, ob das Gerät die angepriesenen Leistungsdaten auch vernünftig „auf die Straße bringt“. Um es mal anschaulich zu beschreiben:
Im Autoprospekt steht: 150PS, moderner Motor, Markenhersteller, 5 Sitze, Sitzheizung, Heckspoiler, Digitalradio mit 200 Sendern. Klingt gut! Gekauft! Was nutzt es jedoch, wenn 10 Jahre alte Radachsen, 7 Jahre alte Kugelllager, zu schwach dimensionierte Einspritzdüsen, blechern klingende Billiglautsprecher sowie lediglich 2 Türen verbaut sind? Im Endeffekt wird das 150PS-Superschnäppchen von einem 80PS VW-Bus aus den 1980ern auf der Autobahn überholt wird, weil bei dem Oldtimer das Zusammenspiel aller Bauteile besser aufeinander abgestimmt ist.
Tipp: Verlassen Sie sich auf die Langzeiterfahrung von seriösen Verkäufern/Dienstleistern, nicht auf die Kurzzeiterfahrung von Internet-Testportalen. In die Geräteauswahl fließen dann auch Servicequalität, Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Ersatzteilverfügbarkeit mit ein.

Fehler Nummer 4:
Die zu starke Fixierung auf den Kaufpreis, Preis, Preis, Preis, Preis, Preis.
Tipp: Der wahre Sparfuchs für eine lange Lebensdauer einmal etwas Gutes, statt in derselben Zeit dreimal billig!!

Fehler Nummer 6:
Billig? Kauf ich! Brauch ich!
Tipp: Bewahren Sie finanzielle Unabhängigkeit. Vieles, was Sie besitzen, besitzt Sie!
Kaufen Sie Geräte, wenn Sie wissen/ahnen, dass Sie sie wirklich brauchen bzw. benutzen werden…. und nicht nur, weil gerade irgendetwas (meist nur vermeintlich) im Sonderangebot ist.


Hier einige Schnäppchenfallen-Klassiker:

  • Marken-Notebook einer amerikanischen Marke, ca 300 EUR; Prozessor mit hoher Taktfrequenz aber nur 2 Prozessorkernen, große Festplatte 1000GB …. aber ultralangsame klassische mechanische Bauart. Fazit: Ein 10 Jahre alter Notebook (damals Kaufpreis ca 650 EUR), aufgerüstet mit einer schnellen SSD schlägt dieses „Schnäppchen“ um Welten! Eine Woche nach dem Neukauf dieses Geräts
  • Marken-Notebook eines in Deutschland sehr beliebten Discounters, ca 350 EUR. Auf dem Papier scheinbar alles in Ordnung. Aber:
    • Der DVD-Brenner wurde nach einem Windows-Update nicht mehr erkannt; als wir das Gerät öffneten, war klar warum: es wurde ein DVD-Brenner-Modell aus dem Jahre 2014 verbaut!
    • Ein Jahr später stürzte Windows 10 ab, weil die Festplatte voll war. Dabei stand im Prospekt „Schneller Rechner, 1120GB Speicherplatz!!!“. Der Trick dabei: um den ansonsten recht trägen Rechner zu beschleunigen, wurde eine billige, viel zu klein dimensionierte 120GB-SSD-Festplatte als Laufwerk c: verbaut. Um auf dem Papier den Speicherplatz optisch als Verkaufsargument zu erhöhen, schraubte der Hersteller einfach eine preiswerte, klassische mechanische Festplatte (1000GB) ins Gehäuse.
    • Die Abbildung im Verkaufsprospekt sah nach einem Stand-PC aus. Das Foto war jedoch so geschickt gemacht, dass nur Profis erkennen konnten, dass das Gerät nur die Größe eines dicken Leitzordners hatte (erahnbar aufgrund des Größenverhältnisses von DVD-Laufwerk, USB-Buchse und Gehäuse). Das Gerät ist daher kaum aufrüstbar; zudem verdoppelt sich in dem engen unhandlichen Gehäuse die Arbeitszeitkostenim Servicefall.
  • Marken-Notebook, 299 EUR
    • Auf dem Papier ein ordentliches Gerät. Verbaut wurde jedoch ein Bildschirm mit ca. 10 Jahre alter Auflösung (1366×768). Die Folge: Bei vielen Programmen / Internetseiten sind anklickbare Schaltflächen ausserhalb des Bildschirms. Manche Programme sind nur noch lästig benutzbar; das Surfen im Internet und Lesen von Internetseiten verkommt zu einer nervenaufreibenden Hoch-/Runter-Maus-Scroll-Orgie.
  • Der Klassiker .. Gerne wird mal eben schnell auf das 90 EUR günstigere Gerät geklickt, denn bei gleichen Leistungsdaten ist es beim gleichen Händler knapp 90 EUR günstiger! Gekauft! Das Problem: Man hat ggf. überlesen, dass kein Windows enthalten ist. Man erhält dann entweder ein „nacktes“ Notebook ohne Funktion („FreeDOS“ vorinstalliert“) oder ein Gerät mit vorinstalliertem Linux.
    Achtung: Wer jetzt denkt „Klasse! Ich kauf einen neuen Laptop ohne Windows, mache ihn platt und spiele mir dann einfach ein Windows10 auf“, könnte sein böses Erwachen erleben. Nicht selten finden sich in solchen Geräten Bauteile/Chips, für die es keine aktuellen Windows10-Treiber gibt oder die unter Windows zu Abstürzen neigen.

Dies waren nur einige Beispiele, wie schnell sich 150-250 EUR Preisersparnis auf 1-5 Jahre zu einem Flop oder gar wirtschaftlichen Totalschaden entwickeln können, weil das Gerät entweder nicht brauchbar ist oder man es nach 0 bis 2 Jahren schon aufrüsten lassen muss, sofern dies überhaupt möglich ist.


Unsere Empfehlung: Augen auf beim Gerätekauf!
Vertrauen Sie einem EDV-Dienstleister, der Wert legt auf

  1. Service statt reiner Verkauf
  2. langlebige, aufrüstbare Gerätemodelle statt Preiskampf
  3. verlässliche Hersteller mit guter Garantieabwicklung / Servicequalität / Ersatzteilverfügbarkeit
  4. gezielte Geräteauswahl für Ihr konkretes Anwendungsprofil statt Fokussierung auf nichtssagende Leistungsdaten
  5. wirtschaftsethische Aspekte (1x ein „gescheites“ Gerät und nicht zu überteuertes Gerät kaufen; es dafür aber doppelt so lange nutzen; dadurch Umwelt schonen und Elektroschrott vermeiden)

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