Islamismus in manchen Klassenzimmern, Pausenhöfen, Kirchentagen; Randale in Kirchen?

Unbequemes Thema; hätte man nicht ahnen können … hatte man auch nicht ahnen und sehen wollen. Scheinbar kann man nach zwei Enthauptungen in Frankreich (1 Lehrer auf offener Straße, eine Passantin in einer Kathedrale) und dem Terrorangriff in Wien nicht mehr so einfach über Fehlentwicklungen hinwegsehen.

https://www.welt.de/regionales/nrw/article218659780/Angst-im-Klassenzimmer.html

https://amp.welt.de/politik/deutschland/article218459892/Kirchentag-Aleviten-fuehlen-sich-durch-Islamverbaende-bedroht.html

https://kurier.at/chronik/oesterreich/islamisten-angriff-auf-kirche-in-wien/401082495

Nein, das hier ist keine Hetze. Und hier ist auch kein Platz für Hass und Pauschalisierungen.
Aber es ist auch kein Platz für Vogel-Strauß-Wird-schon-gut-gehen-Appeasement.
Wie wäre es mal mit Vernunft? Wie war doch gleich das „Toleranz-Paradoxon“ von Karl Popper?

„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz.
Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten verdrängt werden und die Toleranz mit ihnen.“

Der Philosoph Karl Popper, 1945 in seinem Buch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

„Von Deutschland/Europa darf nie wieder Faschismus ausgehen“, sagen sie.
Ich fasse zusammen: Ein Lehrer zeigt im Unterricht Karrikaturen gegen ein ideologisches System. Ein Schüler oder eine Schülerin verpfeifft den Lehrer zuhause. Ein Lynchmob-Mitglied geht auf die Straße und ermordet den Systemkritiker. Hmm … täuscht mich das, oder gabs das auch nicht schonmal in Deutschland … nur damals aus den eigenen Reihen? Also bei uns im Geschichtsunterricht hieß ein System, bei dem Kritiker von der Straße geholt und umgebracht wurden … Moment (raschel, such, blätter) …. Faschismus.
Wo ist da jetzt der Unterschied? Achso … stimmt: Weil wir aus Angst vor dem alten eigenen Faschismus vor lauter Hypertoleranz auf anderen Faschismus-Augen blind sein wollen? Geschichte wiederholt sich nicht, sie reimt sich nur … leider oftmals genau von der anderen Seite.

„Nie wieder Antisemitismus“, sagen sie.
Ulf Poschardt schrieb am 03.11.2020 auf Welt.de: „Im Lichte der furchtbaren Bilder aus Wien haben europäische Juden auf Twitter in Hebräisch erklärt, dass es keinen Sinn mehr hat, hierzubleiben, in Europa, ihrer Heimat. Es gibt nur einen Ort, an dem sie sicher sind: Israel. Und dieser Punkt wiegt genauso schwer wie der duldende Verrat an unseren Werten: Wir lassen die jüdischen Bürger wieder im Stich. Das geschwätzig selbstgerührte Gerede vom „nie wieder“ ist längst eine Farce geworden. Europa erlebt gerade die zweite Vertreibung der europäischen Juden, und kaum jemand unternimmt etwas. Die linke Cancel Culture sieht in der Regel weg. Wer in deutschen Städten mit einer Kippa durch die Straßen läuft, muss in Vierteln mit hoher muslimischer Bevölkerung um seine Gesundheit fürchten. Aber die Gefahr ist zynisch beseitigt: Es wagt einfach niemand mehr, mit einer Kippa zu „provozieren“, weil er weiß, dass er keine Chance hat. Aber es geht noch zynischer: Wenn etwas unternommen wird wie in Berlin, dann sind es die jüdischen Kinder, die nach antisemitischen Übergriffen auf dem Schulhof die Schule „freiwillig“ verlassen. Alles daran ist falsch. Alles daran ist inakzeptabel. Alles daran ist feige und opportunistisch.“

Auch die NZ stellt fest, dass insbesondere die linke Parteienlandschaft zunehmends ein Problem mit einem verklärten Weltbild bekommen wird:
https://www.nzz.ch/feuilleton/die-linke-und-der-islamismus-ld.1584248

Immer wieder lesenswert:

Der Artikel „Mehr Verstand, wenige Herz“ von 2015:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/whatsright/whats-right-weniger-herz-mehr-verstand/12247226.html

und – erinnert sich noch jemand an das Wort „Leitkultur“? –

Bassam Tibis alte Analyse aus dem Jahre 2002, dass Deutschland und Europa das Wort „Leitkultur“ mit „Werte-Beliebigkeit“ verwechseln und keine daher Leitkultur anzubieten haben, weil Leitplanken nicht vorgelebt und nicht durchgesetzt / verteidigt werden:
„Leitkultur – Bilanz einer missglückten deutschen Debatte“
https://www.bpb.de/apuz/26535/leitkultur-als-wertekonsens
basierend auf seinem Buch „Europa ohne Identität? Leitkultur oder Wertebeliebigkeit“ von 2002.

Vielleicht verstehe ich ja auch nur was falsch und insbesondere Deutschland, seine Politiker, Verbände und Kirchen schicken sich an, nach 80 Jahren wieder Appeasement-Weltmeister zu werden?

War noch was? Achso … ja, die bösen „christlichen Kreuzzüge des Jahres 2020“:

28.10.2020: Schlagzeile „Erdogan wirft westlichen Ländern Neuauflage der Kreuzzüge vor“
https://www.welt.de/politik/ausland/article218815656/Erdogan-wirft-westlichen-Laendern-Neuauflage-der-Kreuzzuege-vor.html
Mist, und ich hatte gehofft, Erdogan bekommt nicht mit, dass die Christen die Hagia Sophia zu einer Kirche umgewidmet und etliche christliche Klöster in der Türkei eröffnet haben. Oder verwechsle ich da etwas? Hier die Quellen:

(Sarkasmus aus)

Andererseits: Die Erdogan-Karrikatur Charlie Hebdo’s von Ende Oktober 2020 ist sinnlos, nicht zielführend und wo soll da der Witz sein??? Ich fürchte, diese humorlose Titelseite wird bei einigen „sich berufen fühlenden“ wieder die Sicherungen durchbrennen lassen. Man hätte in einer Karrikatur auf die ins bodenlose fallende türkische Lira anspielen können und einen pantoffelheldigen Politiker oder sonst was; aber nö … dieser politische Tiefblick fehlt so manchen zeichnenden Polterern scheinbar. 🙁

Wie sagte eins der Satiriker Volker Pispers sinngemäß:
„Religionsfreiheit ist gut. Denn manchmal wäre besser, wenn die Menschheit religionsfrei wäre …“

Politiker auf dem Traumata-/Entwurzelungs-Auge blind?

Ich bleibe da bei Feuerbachs Projektionstheorie, stark überspitzt: „Wer ein zu kleines Ego hat, sucht sich fanatisch einen übermächtigen Ersatz“. Nun kann man dummerweise das oftmals nicht den Fanatikern selbst vorwerfen, denn diese haben oft Traumata hinter sich und ticken anders, oftmals unumkehrbar – WAS KEINE DER TATEN ENTSCHULDIGT.
Leider traumatisiert eine traumatisierte Person während ihres Lebens dutzende Anderer mit.
Die Jüdin Simone Weil hat das in den 40er Jahren treffend verfasst. Dass Politiker (und etliche Kaffeekranz-Methoden-Integrierer) nicht begreifen, welche gesellschaftlichen Negativpotentiale in der Psyche von entwurzelten Menschen (egal welcher Herkunft und welcher Lebensgeschichte) stecken, ist das eigentliche Drama. Dabei spielt es keine Rolle, wodruch die Entwurzelung verursacht wurde; Heimatverlust, Krieg, fehlende Liebe, Perspektivlosigkeit, Selbsthass, Verlust der Seele durch Fixierung auf Konsum/Geld, Verlust geliebter Personen etc)
MUST READ: https://oya-online.de/article/read/1153-die_entwurzelung.html

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