** Home-Teaching / Remote-Teaching statt Home-Schooling – Improvisation statt Perfektion! Eine preiswerte Beispiellösung.

Manchmal sind pragmatische Lösungen gefragt; vor allem in Zeiten, in denen Improvisation wichtiger ist als technische Perfektion.

Was also tun, wenn in einer Schule eine Lehrkraft bzgl. eines Corona geschont/geschützt werden soll, wenn kein persönlicher Frontal-Unterricht in der Klasse möglich ist?

Wir haben einen Feld-Test gemacht.

Pragmatische und preiswerte Lösung:

  • für den Lehrer im leeren Raum/Klassenzimmer oder zuhause:
    • gebrauchter Rechner (Notebook oder PC) mit Win7 oder Win10, WLAN/LAN. Core i5 ratsam sowie mindestens eine Intel HD4000 Onboard-Grafik. Eine interne Webcam braucht das Gerät nicht, denn die taugt nicht für unseren Anwendungszweck).
    • Webcam Logitech C310 usb; ca 55€
    • Kopfhörer mit Bügel und Ohrmuscheln und 3m Kabel; zB. Kopfhörer t.bone HD 200; ca. 20€
    • Videokonferenz-Software; z.B. alfaview
    • Flipchart oder Tafel (als Tafelersatz geht auch das Teilen des Bildschirminhalts bei Verwendung eines guten Zeichentablets mit Eingabestift)
    • Einfallsreichtum zur „festen“ Positionierung der USB-Webcam (Tisch mit Stuhl drauf; Haushaltsleiter, ein Kamera-Stativ oder der Tisch-Federgelenk-Schwenkarm einer alten Schreibtisch-Lampe und eine Portion Klebeband)
  • fürs Klassenzimmer:
    • gebrauchter Rechner (siehe oben), 0€
    • Beamer (oder großer Bildschirm/interaktives Display), meist vorhanden
    • Webcam Logitech C525 usb; ca 66€ oder Logitech C615 usb; ca. 120€ (breiteres Sichtfeld)
    • brauchbare aktive PC Lautsprecher; ca. 30€; meist vorhanden
      (bitte keine 0815-Plastik/Blechdosen-Speaker)
    • Videokonferenz-Software; z.B. alfaview
    • Einfallsreichtum zur „festen“ Positionierung der USB-Webcam (siehe oben)
      (notfalls: den McGyver-Hausmeister fragen) 🙂

Szenario – beim Lehrer:

Die Lehrkraft unterrichtet entweder von zuhause oder aus einem leeren Klassenzimmer/Fachraum.
Im Normalfall werden die zu vermittelnden Inhalte an eine Tafel oder auf ein Flipchart geschrieben und parallel dazu stimmlich erläutert.
Ein gebrauchter Notebook steht im selben Zimmer. Das Notebook muss mit dem Internet verbunden sein (Netzwerkkabel ist besser als WLAN).
Am Notebook wird eine externe Webcam per USB-Kabel angeschlossen (notfalls mit USB-Verlängerungskabel 2m bis 5m). Die Webcam ist so positioniert, dass die Tafel/Flipchart gut im Bild ist. Die Webcam überträgt Ton und Bild übers Internet ins Klassenzimmer.
Der Lehrer trägt – um Audiorückkopplungen/Hall/Pfeifen zwischen beiden Orten zu vermeiden – einen kabelgebundenen Bügelkopfhörer mit 3m Kabel. Von kabellosen Bluetooth-Kopfhörern sollte man Abstand nehmen; alleine schon wegen der technischen Anfälligkeiten (Batterie leer, Pairing-Abbrüche etc).
Über den Kopfhörer hört der Lehrer die Sprachmeldungen aus dem Klassenzimmer.
Der Lehrer sieht auf dem Notebook-Monitor das Webcam-Bild des Klassenzimmers.

Szenario – im Klassenzimmer:

Im Klassenzimmer steht ein gebrauchtes Notebook.
Daran angeschlossen ist eine USB-Webcam (mit 5m Verlängerungskabel). Das Notebook muss mit dem Internet verbunden sein (Netzwerkkabel ist besser als WLAN). Die Webcam hängt vorne irgendwo auf ca 2m Höhe in einer Ecke / an einer Seitenwand des Klassenzimmers und filmt ins Klassenzimmer hinein. Eine normale, preiswerte Webcam hat keinen Weitwinkel; ggf. sitzen einige wenige Schüler im toten Winkel der Kamera.
Das Mikrofon der Webcam nimmt die Sprache der sich zu Wort meldenden Schüler auf. Mit den in der Zutatenliste genannten Logitech-Webcam-Modellen funktionierte das bereits erstaunlich gut. Die Mikrofon-Situation im Klassenzimmer kann man notfalls noch mit einem USB-Tischmikrofon/Raum-Mikrofon aufbessern (ca 60-100€).
Damit die Klasse den remote unterrichtenden Lehrer hört, sind am Notebook halbwegs brauchbare PC-Lautsprecher per 3,5mm-Klinkenstecker angeschlossen (sollten einen brauchbaren Mitteltöner besitzen, damit der Lehrer nicht wie aus der Blechdose klingt). Die Lautsprecher sollten ca 2-5 Meter von der Webcam entfernt stehen (um Rückkopplungen zu vermeiden) und in die Schülergruppe hinein abstrahlen.
Der unterrichtende Lehrer wird auf dem Notebook-Bildschirm des Klassenzimmers angezeigt und per – am Notebook angeschlossenen – Beamer (oder Großbildschirm) vorne an der Wand des Klassenzimmers groß dargstellt, sodass entferne Tafelinhalt aus dem Raum des Lehrers gut sichtbar ist.
Ein Referendar, freier Mitarbeiter beaufsichtigt dabei die Klasse und vermittelt ggf. zwischen Lehrer und Klasse.

Getestet! Funktioniert!


Auf was man generell achten sollte:

  • im Windows-Geräte-Manager alle nicht benutzten Audio-Geräte/Kameras deaktivieren, sodass die Videoschaltung/das Videokonferenztool ggf. nicht das falsche Ton/Bild-Ein/Ausgabegerät benutzt und es dann zu Störungen / Rückkopplungen / Nichthör/sehbarkeit kommt.
  • in der klassischen Windows-Systemsteuerung im Menüpunkt „Sound“
    • in den Karteireitern „Aufnahme“ und „Wiedergabe“ alle nicht benutzten Ein-/Ausgänge deaktivieren (testen, welche die richtigen sind), sodass die Videoschaltung/das Videokonferenztool ggf. nicht das falsche Gerät benutzt und es dann zu Störungen / Rückkopplungen / Nichthör/sehbarkeit kommt.
    • in den Eigenschaften der Karteireiter „Aufnahme“ und „Wiedergabe“ mit den Werten „Mikrofonpegel“, „Mikrofonverstärkung“ oder Standardformat experimentieren. (meist reicht „UKW-Qualität 32000 Hz“)
  • Räume bzgl.  guter Bildqualität der Beamerprojektion entsprechend abdunkeln
  • Sprachdisziplin: nicht durcheinandersprechen, die Gegenseite stets ausreden lassen und ggf. danach noch 2 Sekunden warten bis zur eigenen Antwort.

Optimierungsmöglichkeiten:

  • Lehrer:
    • kabelgebundenes USB-Headset (z.B. Sennheiser PC 8.2, Logitech H340, Logitech H39, CSL, Microsoft) anstatt eines reinen Kopfhöhrers
    • externer Bildschirm am Lehrernotebook, damit er das Bild des Klassenzimmers größer/besser sieht als auf dem recht kleinen Notebookmonitor (ideal: ein gebrauchter 16:9 22 Zoll 1600×900)
  • Lehrer + Klassenzimmer:
    • bessere Kamera (z.B. USB-Cam mit verstellbarem Zoom)
      oder USB-Webcam mit größerem Sichtfeld (Logitech C525 fürs Klassenzimmer hat 63 Grad Sichtwinkel; die ca. doppelt so teure Logitech C651 hat 78 Grad Sichtwinkel)
  • Klassenzimmer:
    bessere Mikrofontechnik (z.B. USB-Raum-Mikrofon oder z.B. ein Rode NT usb)

Semi-Profi-Lösung

  • Software für beide „Seiten“:
    • WebEx via Telekom; Link hier (DSGVO-konform, ca 3-4 EUR/Lehrkraft/Monat)
  • Lehrkraft:
    • PC oder Notebook mit guter USB-Webcam (z.B. Logitech C525); ggf. mit USB-Verl.kabel
    • kabelgebundenes USB-Headset für die Lehrkraft (ggf. mit USB-Verl.kabel),
      z.B. Sennheiser PC 8.2, Logitech H340. Logitech H390
    • alternativ:
      • Unterricht an interaktivem Digital-Tafelsystem per Bildfreigabe der Smart-Tafel in der Videositzung
        ODER
      • Unterricht per freigebenem PC/Notebook-Bildschirm (statt Tafel+Kreide) mit
        • Gratis-Windows-Tool „Microsoft Whiteboard“
        • Grafiktablet (zB. Wacom One Creative Pen Display) inkl. Tablet-Zeichenstift
  • Klassenzimmer:
    • PC oder Notebook mit guter USB-Webcam (z.B. Logitech C651); ggf. mit USB-Verl.kabel
    • aktive Lautsprecher, mindestens 10W Lautstärkeleistung, angeschlossen per 3,5mm Klinke
      z.B. Logitech Z200 ODER Logitech Z207 etc
    • separates reines USB-Mikrofon, z.B.
      • t.bone SC 420 Desktop Set (Tischständer) ODER
      • t.bone SC 500 USB Stand Bundle (mit ca 1m hohem Bodenständer) ODER
      • rode NT usb mit Rode PSA-1 Tisch-Arm

PS: Berufsgenossenschaftliche Aspekte (Kabel = Stolperfalle) spielen in diesem Artikel keine Rolle, da ich davon ausgehe, dass erwachsene Menschen auch beim Staubsaugen in der Lage sind, sich nicht von einem Stromkabel zu Boden bringen oder strangulieren zu lassen. 🙂

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