** Schlagzeilen-Journalismus versus Zahlenbasis – Corona Durchseuchung bei Kindern

31.10.2020 – Ein Lehrstück des Click-Bait-Journalismus und schlimmer: ein Lehrstück der Unfähigkeit des homo digitalensis über Überschriften hinaus zu lesen:

Überschrift in etlichen Onlineportalen: „Studie zeigt: 6mal mehr Kinder infiziert als gedacht“
Die desinformierten Antworten in den Kommentarbereichen lauten: „Schulen zu, sofort!“

Wer lesen kann und eine Aufmerksamkeitsspanne größer als 10 Sekunden hat, ist klar im Vorteil:

Zitat:

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in München haben so 12.000 Kinder und Jugendliche aus Bayern zwischen einem und 18 Jahren auf Antikörper gegen das Coronavirus, genauer gesagt gegen den Erreger Sars-Cov-2, untersucht. Die Probanden sind eigentlich Teil der „Fr1da“-Studie zur Typ-1-Diabetes-Früherkennung.
Das Team um Markus Hippich und Anette-G. Ziegle stellte nun fest, dass im Schnitt 0,87 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen April und Juli Antikörper in sich trugen – sechsmal mehr als die tatsächlich bekannte Zahl an positiven Corona-Tests bei den bis zu 18-Jährigen.

https://www.welt.de/wissenschaft/article219046878/Coronavirus-Sechsmal-mehr-Kinder-und-Jugendliche-mit-Corona-infiziert.html

OK …. und jetzt derselbe Absatz, anders eingefärbt:

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums in München haben so 12.000 Kinder und Jugendliche aus Bayern zwischen einem und 18 Jahren auf Antikörper gegen das Coronavirus, genauer gesagt gegen den Erreger Sars-Cov-2, untersucht. Die Probanden sind eigentlich Teil der „Fr1da“-Studie zur Typ-1-Diabetes-Früherkennung.
Das Team um Markus Hippich und Anette-G. Ziegle stellte nun fest, dass im Schnitt 0,87 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen April und Juli Antikörper in sich trugen – sechsmal mehr als die tatsächlich bekannte Zahl an positiven Corona-Tests bei den bis zu 18-Jährigen.

https://www.welt.de/wissenschaft/article219046878/Coronavirus-Sechsmal-mehr-Kinder-und-Jugendliche-mit-Corona-infiziert.html

Also : Geschätzt 0,87% der Kinder hatten zwischen April und Juli Antikörper gegen Covid19 im Blut;
statt wie bislang festgestellt 0,145%.

Ja aber, der Test ist ungenau und liefert falsche …. Lesen hilft:

In ihrer Studie nutzten die Wissenschaftler einen zweistufigen Antikörpertest, um falsch-positive Ergebnisse auszuschließen. (…) Zusätzlich fanden die Forscher in den Blutproben von mehr als 3000 Kindern und Jugendlichen aus dem Herbst 2019 keine Probe mit Antikörpern – ein Beleg für die Genauigkeit der Methode, die, so die Forscher, bisher nur in einer spanischen Studie zum Einsatz kam.

https://www.welt.de/wissenschaft/article219046878/Coronavirus-Sechsmal-mehr-Kinder-und-Jugendliche-mit-Corona-infiziert.html

Weitere Teilerkenntnisse in Bezug auf Kinder:

Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Antikörpern zeigten keine Covid-19-Symptome. In rund einem Drittel (35 Prozent) der Fälle, in denen ein Familienmitglied Corona-positiv war, steckte sich auch das Kind an. Das Geschlecht oder die Region spielen keine Rolle bei der Verteilung der Antikörper. Auch scheint Diabetes eine Sars-Cov-2-Infektion (Anm.: zumindest bei Kindern) nicht zu begünstigen.

Also lassen wir die Kirche im Dorf und den Kindern ihre Bildung. Die Lüftungsdisziplin in vielen Schulen ist gut und dadurch sinkt das Infektionsrisiko extrem stark. Da könnten sich etliche Betriebe und Büros eine Scheibe abschneiden. Ich bin daher gespannt auf die Auswirkungen des November-Lockdowns. Angesichts vieler Disziplinlosigkeiten bei großen Handwerksbetrieben (nicht in deren Stammhaus, sondern deren Techniker draussen), größeren Firmen, auf Baustellen und dem Raum-Lüften-Versagen vieler Büros würde es mich nicht wundern, wenn die Infektionszahlen nicht merklich runtergehen. TIme will tell.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen oder geholfen?
Bedanken Sie sich? Mit einer kleinen Anerkennung für die inhaltliche Arbeit?
Jeder Betrag ist willkommen. Lieben Dank!