🔒 SEC-Klage gegen Ripple, Garlinghouse, Larsen – Ist das „der Untergang“, finaler Shake-Out, eine normale Klage , die Zielfahne für die XRP-Adoption oder nur der Beginn regulatorischer Klarheit für die Blockchain-Industrie?

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(aktualisiert am 30.12.2020: 2stündiges Video zur Anklageschrift von SamIam) Eine Welle ging am 21/22.12.2020 durch den Kryptospace, als Ripple twitterte, die US-Wertpapier-/Börsenhandelsaufsicht werde verklagen. Danach ging es Schlag auf Schlag.
Dabei war es eigentlich bekannt, dass die tokenbasierte Eigenfinanzierung sowie die fehlende Einstufung des Tokens in den USA finanzjuristisch noch nicht geklärt ist.
Ein paar Quellen und Puzzlesteine zum Thema.

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Das hier ist der Fortune-Artikel, der für Aufmerksamkeit sorgte:
https://fortune.com/2020/12/21/ripple-to-be-sued-by-sec-cryptocurrency-xrp/

Hier das 71seitige PDF der SEC; unbedingte Pflichtlektüre für eventuelle „Investoren“:
https://www.sec.gov/litigation/complaints/2020/comp-pr2020-338.pdf
Die Vorwürfe sind nicht ohne, haben aber auch z.T. einen sehr komischen Touch/Unterton.

Die Antwort von Ripple-CEO Brad Garlinghouse folgte via Twitter:
https://twitter.com/bgarlinghouse/status/1341193538361384960

Was nun?

Das Unternehmen Ripple hat seit Beginn an den Kontakt zu Regulieren und US-Regulierern gesucht.
Hier ein Artikel aus dem Oktober 2019 … Ripple eröffnete ein Büro in Washington DC
https://www.forbes.com/sites/jasonbrett/2019/10/22/ripple-expands-regulatory-strategy-in-washington-dc/?sh=7ae215c41eb4

Zitat:

„Ripple announced that the global regulatory team has been expanded and by opening an office in Washington D.C., which according to company officials commenting on the release, makes it the first and only cryptocurrency and blockchain company in the industry with an office devoted to government and regulatory affairs.“

Forbes, Oktober 2019

Mitte Dezember 2020 wurde die langjährige regulatorische Spezialistin (ehemals JP Morgan) in den Ripple-Aufsichtsrat dazuberufen. Zufall?
https://ripple.com/insights/ripple-adds-sandie-oconnor-to-board-of-directors/

Ripples kurze Gegendarstellung zur SEC-Klage:
https://www.crowdfundinsider.com/wp-content/uploads/2020/12/Ripple-Wells-Submission-Summary-December-2020.pdf
und der offene Brief von CEO Garlinghouse an Ripple-Mitarbeiter und -Kunden:
https://ripple.com/insights/the-secs-attack-on-crypto-in-the-united-states/

Erinnert sich noch jemand an den Kongress der Schweizer Nationalbank SNB aus dem Jahre 2019, auf dem in einem Raum voller Zentralbänker Ripple CEO Brad Garlinghouse eine Präsentation hielt?
https://www.youtube.com/watch?v=0aBu4tGI9QQ

https://www.xrpvi.be/wp-content/uploads/2019/08/XRP-10X-Overnight-And-Ripple-At-Swiss-National-Bank-Conference.jpg

Und jetzt … nach knapp 8 Jahren XRP-Verkäufen durch Ripple kommt die SEC auf die Idee, die Verbraucher zu schütze? Zwei Tage vor Weihnachten, wo Kurse und Trader eh die Hand am Abzug nach unten haben? Und einige Tage später tritt dann der Chef der SEC ab? Smells fishy…

Einige lose Gedanken;

  • Was soll passieren? Die SEC kann Ripple als Firma nicht platt planieren. Ein großer Vertrauensverlust in den Nutzerkreisen könnte jedoch dafür sorgen. Muss aber nicht.
    Andererseits: Apple, Google, AT&T, JPMorgan und viele andere Unternehmen haben alle miteinander etliche große Rechtsfälle mit US-Regulierern hinter sich. Es gibt diese Firmen immer noch.
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  • Ist das ein konzertierter Angriff aus dem Goldmansachs-nahen Umfeld zur Ausbremsung eines Konkurrenten? (Ripple steht gefühlt näher an JPMorgan als an GoldmanSachs; GoldmanSachs ist stark in Facebook investiert … hallo Libra/Diem? Goldman hat zudem angeblich eine Crossborder-Payments-Partnerschaft mit SAP-Ariba am Start; wobei SAP für mich eher für eine träge Fregatte und nicht für ein agiles Fintech) Man erinnere sich, wie damals (2008/2009) ein ehemaliger GoldmanSachs-Banker als Finanzminister einen der Hauptkonkurrenten von GoldmanSachs in die Pleite schlittern lies (Lehman), während andere Banken mit Staatsgeldern gestützt wurden. Hier ein Welt-Artikel zum Thema Goldman-Sachs (Trump) und ein Fox-Artikel zum Thema Goldman-Sachs (Biden). Wehrt sich hier die „Wir drucken US-Dollars und kaufen damit die Welt“-Elite?
    Andererseits: Dieser Verschwörungs-Vorwurf macht es sich evtl. zu leicht. Die Vorwürfe im 71-Seiter der SEC sind plakativ und scheinen dokumentiert. Andererseits stellt sich wiederum die Frage, warum die SEC nicht schon vor 6,4,2 Jahren eingeschritten ist. Und hier drängt sich der Gedanke auf, dass in Zeiten der sinkenden Vormachstellung des US-Dollars die Firma Ripple ein heißes US-Eisen im Feuer des weltweiten Digitalpaymentanbieter-Wettbewerbs sein könnte. Unterstellt man, dass dies oberen Kreisen klar war, war es dann geduldet, dass Ripple erst sein Payment-Network vor allem in ausländische Regionen vorantrieb, in denen man den Zahlungsverkehr weiter überwachen kann? (CTO David Schwartz arbeitete einst bei der NSA). Dann wäre die aktuelle Klage ein „guter Bulle, böser Bulle“-Spiel?
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  • Vielleicht sollte Jay Clayton aber auch als letzte Amtshandlung (vor einer langen Biden-Amtsübergabe-Hängepartie) den längst überfälligen finalen juristischen Klärungsprozess anstoßen …. komischerweise hat Ripple (hier, hier) im Q4/2020 Monate oft genug die US-Regulierer geradezu herausgefordert, endlich Klarheit zu schaffen und drohte sogar mit der Abwanderung des Firmenhauptsitzes ins Ausland. Jedoch zielt die Klage der SEC nicht nur auf die Eigenschaft von XRP als Wertpapier oder nicht ab, sondern auch gezielt auf Larsen und Garlinghouse.
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  • Was kann im schlimmsten Fall passieren: US-Kryptobörsen setzen ggf. den Handel mit XRP aus, bis Klarheit herrscht. Sofern die Anschuldigungen rechtskräftig bestätigt werden, könnte beiden Geschäftsführern sehr hohe Geldstrafen drohen und sie werden ggf. vom Aufsichtsrat abgesetzt. XRP wird weiter existieren und sicherlich auch die Firma Ripple samt deren Produkten.
    Andere Länder haben längst eine Einstufung von XRP; dort geht der Handel mit XRP und die Anwendung des XRPL unter Umständen ganz norml weiter. Japan/Asien/Indien/Arabien sind bislang das Hauptstandbein von Ripple; Brad Garlinghouse hatte zuletzt im Interview mit CNN bestätigt, dass der Hauptkundenanteil nicht in den USA beheimatet ist …. eben wegen der fehlenden finanzjuristischen Einstufung.
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  • Wenn es irgendein Unternehmen im Blockchainbereich gibt, das in WEF, IMF und Regierungskreisen bestens vernetzt ist, dann ist Ripple. Ob das allerdings ein Segen oder Fluch oder eine Leimspur ist/war, wird sich zeigen.
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  • Egal ob mit oder ohne Ripple. Der Blockchainbereich wird nicht aufzuhalten sein. Warum gäbe es dann sonst Dokumente wie dieses Weltwirtschaftsforum-PDF aus dem Dezember 2020?
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  • Eine fiese Theorie: Vielleicht geht es ja auch um die ca. XRP-Bestände, die noch in der Escrow allokiert sind? Was wäre, wenn es mit einen hohen finanziellen Vergleich endet und dabei die Escrow „draufgeht“ und wenn ja, an wen? An den US-Staat? Wäre das eine Strafzahlung oder eine Grundausstattung?
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  • Es ist keine reine Klage zur Klärung bzgl. „Ist XRP eine Security, Commodity oder Currency“, sondern auch eine Klage gegen die beiden Geschäftsführer. Erstere Frage wird mitgeklärt werden müssen, weswegen diese Klage auch eine Signalwirkung für viele andere Blockchain-Token haben wird, zumindest jene, die zur Projektfinanzierung verwendet wurden/werden. Das 71seitige-PDF liest sich jedoch andererseits eher wie eine Beschwerde (Seite1: „complaint“) und noch nicht wie eine finale juristische Klageschrift.
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  • Bei aller clickbait-Untergangsstimmung hilft die Sicht eines XRP-Fankanals zur Sammlung möglicher Puzzlesteine. Der XRP-Preisverfall in der letzten Dezemberdrittel war entsprechend. Könnte ein finales Abschütteln privater Investoren/Trader das Ziel sein? In diesem Videoausschnitt von 2019 antwortete Dillip Rao, damals „Global Head of Infrastructure Innovation at Ripple“ auf die Frage ob es denn nicht schädlich sei, wenn Kryptowährungen wie z.B. XRP von Tradern weltweit kurzfristig gekauft/verkauft werden:
    „We now have hundreds of exchanges around the world for trading xrp. Lot of it is shallow trading by individuals. That is not the use case for xrp we are persuing. What we are persuing is the use of xrp as a financial asset by sophisticated institutions as a bridging mechanism. The trading creates a lot of noise (er meint: on the network). We don’t want that such noise (…) And as this transitions away from retail to institutions, we’ll start to use it for wholesale in financial usage … that’s when the turning point will come.“
    Aber es gilt: Nichts genaues weiß man nicht! Vielleicht ist dieser Punkt genau jetzt erreicht. Vielleicht ist es aber auch nur ein Argument zum Schönreden der Situation? Hier muss jeder XRP-Halter seine eigene Meinung erarbeiten.
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  • Statement von Bitpanda am 29.12.2020: (XRP bleibt normal handelbar; wird jedoch vorerst aus den Index-Sparplänen entfernt)
    https://blog.bitpanda.com/your-most-pressing-questions-around-ripple-xrp-and-sec-answered
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Eine zweistündige Kommentierung der 71seitigen SEC-Beschwerdeschrift:


Wie menschliche und geschäftliche Reife aussieht, zeigt – wieder einmal – Charles Hoskinson (Cardano), der diesen Fall als wichtig und kritisch für die gesamte Blockchain-Industrie sieht und beide Seiten beleuchtet:

Eine Anwaltsmeinung:

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