*** Vorsicht beim Windows 10-Volkssport „diesen PC zurücksetzen“ – Daten u.a. aus Outlook, Starmoney, Lexware, div. Vereinsverwaltungen ggf. danach verloren! (in c:\windows.old\ nicht enthalten!)

Immer wieder kommt es vor, dass Nutzer die Windows 10 Funktion „diesen PC zurücksetzen“ benutzen und danach feststellen müssen, dass dieser Vorgang etlichen Dateien und nahezu alle Programme entfernt. Richtig schlimm wird es vor allem dann, wenn der Nutzer zuvor keine fachmännisch eingerichtete Datensicherungslösung verwendet hat.

Was passiert bei „diesen PC zurücksetzen – Alles entfernen“ ?

Hat man die Option „Alles entfernen“ gewählt, ist danach wirklich alles weg. Wer diese Option wählt, weiß meistens, was er tut.

  • alle Bilder – gelöscht!
  • alle Texte – gelöscht!
  • alle Dokumente – gelöscht!
  • alle Musikdateien – gelöscht!
  • alle Videos – gelöscht!
  • alle Programe – gelöscht!
  • alle auf dem Rechner liegenden Programmdaten/Nutzerdaten (emails, Mailadressen, Banksoftwaredaten, Finanzsoftwaredaten, Vereinsverwaltungsdaten etc) – gelöscht!
  • alle Programmdatenbanken – gelöscht!
  • alles – gelöscht!

Was passiert bei „diesen PC zurücksetzen – Eigene Dateien beibehalten“ ?

Diese Option ist trügerisch, denn man könnte meinen, es gingen dabei keine Daten verloren. Dem ist aber leider so.
Auch wenn „Eigene Dateien behalten“ gut klingt, kann es noch desaströs enden bzw. teuer/ärgerlich werden, denn:

  • es werden alle Programme entfernt, die nicht zum Lieferumfang von Windows10 gehören. Gekaufte Software oder kostenlose Software. Die meiste Software können wir danach wieder installieren. Oftmals fehlt auf Kundenseite dann aber eine Installations-CD (meist weniger schlimm) oder (ärgerlich bis teuer) die Lizenzinformation/Seriennummer einer gekauften Software. In letzterem Fall steht dann ggf. ein Nach- oder Neukauf der betreffenden Software an.
  • danach fehlen auch
    • die Daten aus Browsern wie Firefox, Chrome, Edge (Lesezeichen, Favoriten, gespeicherte Passworte etc)
    • die Daten aus dem eMail-Programm Outlook (betrifft nur ältere Versionen, die Ihre Daten noch in %Appdata% speicherten)
    • die Daten aus dem eMail-Programm Thunderbird (betrifft nur ältere Versionen, die Ihre Daten noch in %Appdata% speicherten)
    • Daten weiterer Programme (sofern diese in %Appdata% gspeichert waren)

      Die obigen fehlenden Daten sind meist nicht wirklich verloren, denn sie liegen noch für einige Tage in einem Ordner namens „c:\Windows.old“, wo man sie mit Spezialprogrammen, welche versteckte Systemordner anzeigen können, noch herausholen kann. Wartet man jedoch 2,3 Wochen ab oder es installiert sich ein automatisches WIndows-Feature-Update, wird der Windows.old-Pufferordner gelöscht bzw. überschrieben.
  • Richtig schmerzhaft wird das „diesen PC zurücksetzen“ aber durch den Totaldatenverlust von Programmen, die Ihre Nutzerdaten/Datenbanken in
    c:\ProgramData\ oder
    c:\windows.old\Program Files\ oder
    c:\windows.old\Program Files (x86)\
    abspeichern. Diese Ordner sind nämlich nach dem Reset komplett geleert und werden NICHT in c:\windows.old\ zwischengelagert.
    In den o.g. Ordnern liegen leider oftmals die Arbeitsdaten vieler Branchen-, Verwaltungs- und Finanzprogramme
    Doppelt ärgerlich wird es dann, wenn diese Programme zwar bei jedem Programmende eine Sicherungsdatei erstellen, diese aber im gleichen Verzeichnispfad abgespeichert wird anstatt auf einem externen Datenträger oder in ~User\Dokumente. D.h. die Sicherungsdaten sind danach auch weg.

In einem konkreten Fall aus dem Juli 2020 wandte sich ein Neukunde an uns. Er hatte sein Windows10 in Eigenregie mit der Option „diesen PC zurücksetzen, eigene Dateien behalten“ repariert. Geistesgegenwärtig hatte er zuvor eine händische Datensicherung auf einen USB-Stick angefertigt, jedoch nur die Ordner Dokumente, Bilder, Musik, Videos, Desktop seines Nutzerprofils.
Durch das „PC zurücksetzen“ hatte er dann folgende Daten verloren:

  • Finanz-Banking-Daten Teil 1 (private Finanzverwaltung von Bankkonten und Wertpapierdepots mit Vorgängen und Kontoauszügen von mehr, über einen Zeitraum von 12 Jahren)
  • Finanz-Banking-Teil 2 (Mitglieder-Lastschriftkonfigurationen, Vorgängen und Kontoauszüge eines Vereins-Bankkontos über einen Zeitraum von 8 Jahren)
  • Daten aus einem Vereinsverwaltungsprogramm (Mitgliederverwaltung / -adressen eines Vereins)
  • Daten aus einem Rechnungsprogramm seiner Soloselbständigkeit (Kundenverwaltung, Rechnungs-/Angebotsverwaltung)

Folgerung und Ratschlag:

  • Nutzen Sie regelmäßig eine fachmännisch eingerichtete Datensicherungslösung auf einen – oder mehrere – externen Datenträger. (rotierende Speicherung von 2 oder 3 Sicherungsständen).
  • Experimentieren Sie nicht in Eigenregie mit den Selbstreparaturmechanismen von Windows herum; insbesondere dann nicht,
    • wenn Sie keine Datensicherung haben
    • wenn Ihre Datensicherungsmethode nicht durch einen EDV-Fachmann auf Vollständigkeit geprüft wurde (im Hinblick auf die von Ihnen genutzten Programme und Datenverzeichnisse)
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