* Werden träge Banken von Fin-Techs überholt? Umbau des Finanzsystems? Blockchain , CBDCs, Zentralbankkryptowährungen

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Das Thema „Blockchain“ wird in vielen Köpfen, Banken und Finanz-Unternehmen fälschlicherweise mit „Bitcoin“ gleichgesetzt und damit gleich wieder aus der Beobachtung gestrichen. Könnte das – für Banken, Konsumenten und Investoren – eine fatale Fehleinschätzung oder eine verpasste Investmentchance sein? Werden ggf. sogar manche Crashpropheten auf dem falschen Fuß erwischt?

(Dieser Eintrag wird einer der letzten umfangreichen Artikel zum Thema „finance/banking paradigm shift“ sein; denn mit dieser Quellensammlung ist vorerst einmal alles gesagt für die kommenden Jahre …. ) 🙂

„Der Paradigmenwechsel von traditionellen, produkt- und prozessorientierten Strukturen hin zu daten- und intelligenzgetriebenen Strukturen wird den Finanzdienstleistungssektor in den nächsten Jahren signifikant verändern: Künftig werden diejenigen Spieler erfolgreich sein können, denen die Transformation hin zu innovativen Geschäfts- und Betriebsmodellen auf Basis von Informationen und der Orchestrierung von Innovationen und Kooperationen gelingt.“ (2019)

Quelle: https://www.der-bank-blog.de/banken-leasinggesellschaften-digital/technologie/37659600/

„Wer als Bank heute die Blockchain ignoriert, riskiert bei wichtigen Gegenwarts- und Zukunftstechnologien den Anschluss zu verlieren – mit Folgen für die eigene Zukunftsfähigkeit. Wer als Bank heute die Blockchain ignoriert, riskiert bei wichtigen Gegenwarts- und Zukunftstechnologien den Anschluss zu verlieren – mit Folgen für die eigene Zukunftsfähigkeit. (…)  Das gilt nicht nur für Unternehmen aus dem Bankbereich: Auch angrenzende Branchen, beispielsweise Versicherungen, in denen es ebenfalls um Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Zahlungsströmen geht (…)  Überall dort, wo bisherige Geschäftsprozesse hohe Transaktionskosten generierten, beispielsweise, weil Intermediäre eingebunden werden mussten, kann die Blockchain künftig eine gewichtige Rolle spielen. (…) Und damit ist die Akzeptanz der Blockchain-Technologie heute keine Frage der Vorsicht mehr, sondern eine der Weitsicht, Chancen zu erkennen und zu ergreifen, um aktuelle Herausforderungen aktiv anzugehen und künftiges Geschäft zu sichern.“

Quelle: https://www.der-bank-blog.de/chancen-blockchain-technologie/technologie/37658954/


„Allerdings stehen (Anm: bei den Banken) bis 2025 bis zu 40% der Erträge und bis zu 60% der Gewinne auf dem Spiel, so eine aktuelle Studie von McKinsey.“ (2015)

Quelle: https://www.der-bank-blog.de/fintechs-bedrohen-60-prozent-der-bankgewinne/studien/digitalisierung-finanzdienstleistung/19832/


SWIFT-System versus Blockchain:

1) Traditionelle Auslandsüberweisungen via SWIFT – mehrere Tage, Fehlerquote ca. 6%

2) via SWIFT-Upgrade Swift gpi: 40% of SWIFT gpi payments are credited to end beneficiaries within 5 minutes. 50% are credited within 30 minutes; 75% within 6 hours; and almost 100% within 24 hours.

2) via RippleNet-ODL (Blockchain basiertes DLT) – wenige Sekunden, 80-90%% Kostenersparnis (Moneygram, Santander, SBI etc)

Bundesbankpräsident Jens Weidmann im Dezember 2019:
„Die Banken sollten ihren Zahlungsverkehr schneller und günstiger gestalten.“

Steven Mnuchin, Finanz-Staatsekretär der US-Regierung im Januar 2020:
„There are benefits to cross-border payment systems in lowering costs for consumers and businesses. We absolutely support companies working on this.“

Goldman Sachs strukturiert sich ebenfalls neu.


Die Deutsche Bank mag teilmarode sein, jedoch hat sie diese Neuentwicklungen im Blick (2019).
Hierzu wird in der Deutschen Bank eine neue Tech-Abteilung gegründet; geleitet von Bernd Leukert. Bernd Leukert war zuvor Vorstandsmitglied bei SAP. Immer mehr Banken liebäugeln mit SAP’s Bankensoftware, die auch das Thema „Blockchain“ auf dem Schirm hat.Ein Artikel von eben diesem Bernd Leukert ist noch auf der SAP-Homepage zu finden: (2016)
https://news.sap.com/germany/2016/09/blockchain-revolution/
Dort heißt es:
„Wir glauben, dass Blockchain bei richtiger Anwendung genau wie andere Peer-to-Peer-Technologien das Potenzial hat, ganze Branchen umzukrempeln.“
und
„Internationale Überweisung in Echtzeit mit Blockchain und SAP in 20 Sekunden: Um das Thema greifbarer zu machen, arbeitete SAP gemeinsam mit ATB Financial, dem größten Finanzinstitut in Alberta, Kanada, dem Finanztechnologie-Start-up Ripple und der deutschen ReiseBank AG daran, die erste richtige internationale Blockchain-Zahlung von Kanada nach Deutschland zu transferieren. Das Ergebnis? ATB Finanical überwies hierzu 1000 kanadaische Dollar an die deutsche ReiseBank – über ein Netzwerk, das auf SAP-Technologie und den Blockchain-Unternehmenslösungen im Zahlungsnetzwerk von Ripple basierte.“ (2016)
Ein Artikel dazu hier: https://www.geldinstitute.de/it-itk/2016/07/konto-zu-bargeldin8sekundenueberdenatlantik.html

Was aus diesem Tauglichkeits-Test gefolgert wurde und ob sich daraus dauerhaften Kooperationen ergaben, ist bislang nicht bekannt.


Auch die Commerzbank stellt sich auf:

(2018) „Die Commerzbank hat mit der Unterstützung des Softwareentwicklers SAP erfolgreich eine nahtlose (End-to-end) Integration zwischen SAP-Geschäftsprozessen und der Blockchain-Plattform Corda abgeschlossen. Die Geschäftsprozesse basieren auf S/4HANA, einer SAP-Software zur Ressourcenplanung (Enterprise-Resource-Planning, ERP). Bei Corda handelt es sich um eine Plattform des Unternehmenssoftwareanbieters R3.“
https://de.marketscreener.com/COMMERZBANK-13057331/news/Commerzbank-Blockchain-Plattform-Corda-von-R3-wird-in-SAP-Geschaftsprozesse-integriert-mehr-26603311/

Für einen Teilbereich seiner Produkte (internationaler Zahlungsverkehr) arbeitet R3 u.a. mit Ripple zusammen.
https://www.ledgerinsights.com/r3-corda-ripple-xrp-payments/
http://info.r3.com/corda-settler


Auch SWIFT muss sich neu erfinden …
https://www.coindesk.com/swift-gives-blockchain-platforms-access-to-instant-gpi-payments-following-r3-trial


Ein Blockchain-Experte des IT-Dienstleisters „Fiducia&GAD IT AG“, die u.a. die Banking-Software für die Volks- und Raiffeisenbanken bereitstellen, sieht dies genauso:
„Vor diesem Hintergrund gilt es heute, klassische Bankkompetenzen neu zu interpretieren – wobei der Fokus weniger auf tradierten Geschäftsmodellen, sondern vielmehr auf künftig veränderten Kundenbedürfnissen liegen sollte. Obwohl das Zeitalter digital vernetzter Ökosysteme erst in Umrissen sichtbar wird, steht eines schon heute fest – nämlich, dass die Blockchain die Erwartungen der Kunden von morgen massiv verändern wird.“
https://www.geldinstitute.de/it-itk/2019/10/blockchain-und-die-finanzwirtschaft-.html

Da stellt sich aber die Frage, ob deutsche Bankenverbünde wie Sparkassen und Genossenschaftsbanken und alle „klassischen“ Banken mit ihren Kernbankensystemen ggf. 10-15 Jahre „hinterherhinken“. Bis 2019 wurden scheinbar u.a. die Genossenschaftsbanken auf ein „neues“ Kernbankensystem (agree21) umgestellt. Recherchiert man im Internet zu diesen Kernbankensystemen, findet man keine Angaben darüber, ob diese System in irgendeiner Form blockchainseitig vorgebaut haben oder ob man jetzt quasi ein 1980er-Jahre-Systeme zu 2000er-Jahre-Systeme umgewandelt hat, die 2010er Jahre (Blockchain-Entwicklungen) komplett verschlafen hat und für die mittleren 2020er (Massenadaption Blockchain/Kryptowährungen) nicht gerüstet ist. Zwangsläufig tun sich Direktbanken, Onlinebanken oder komplette Neustarts mit den neuen Techniker leichter, da keine Altlasten mitzuschleppen sind. Eine deutsche Bank, die unterschwellig bei deutschen Fintechs und Blockchainfragen immer öfter auftaucht, ist die Solarisbank, die z.B. mit Bitwala, der BISON-App der Börse Stuttgart zusammenarbeitet und – wie z.B. auch die fidor-Bank – eine Art kaufbares/mietbares Banksystem anbietet.
Weitere Details:
https://www.enzyklopaedie-der-wirtschaftsinformatik.de/lexikon/informationssysteme/Sektorspezifische-Anwendungssysteme/Finanzsektor–Anwendungssysteme-im/kernbanksystem
Die Kernpassage im obigen Artikel findet sich zum Abschluss: „Die derzeit stattfindende Digitalisierung erfordert offene, flexible und prozessorientierte Banksoftware-Systeme. So soll über alle heutigen (und zukünftigen) Kanäle auf Anwendungen und Daten zugegriffen werden können, es sollen Fintech-Unternehmen in die IT-Landschaft eingebunden werden, es soll das gesamte Geschäft kundenzentriert, d.h. integriert in die Prozesse der Kunden, ausgerichtet werden usw. Darauf sind weder die individuell erstellten Systeme noch die meisten Standardsoftwaresysteme ausgelegt. (…) Völlig offen ist darüber hinaus, inwiefern die aufkommende Blockchain-Technologie die Kernbankensysteme verändert. Sollte sich diese Technologie durchsetzen, würde das die bisherige Infrastruktur der Banken in großen Teilen obsolet machen. Einen neuen Weg gehen Anbieter, die insbesondere neuen Wettbewerbern im Bankenmarkt (Telekommunikationsanbieter, Neugründungen u.ä.) KBS mit offener API-Schnittstellen-Infrastruktur zur Verfügung stellen. Ein Beispiel im Retail-Bereich ist das No-Stack Banking der Fidor AG, das sich auf die Cloud-basierte Banking-Infrastruktur Fidor OS stützt. Damit kann in kürzester Zeit ein Bankangebot aufgebaut werden, ohne ein eigenes KBS betreiben oder eine Banklizenz erwerben zu müssen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die solarisBank mit Banking as a Platform. Hier können sich Unternehmen, die digitale Geschäftsmodelle verfolgen, die für sie erforderlichen Banking-Bausteine zusammenstellen.“
Na denn; im Bankenbereich steht scheinbar nicht nur wegen der nullzinsbedingten Ertragserosion sondern auch wegen disruptiver neuer Techniken in den kommenden Jahren eine Bereinigung und ein Strukturwandel an.

Passend dazu:
„Banken und Digital Identity – Das Zeitfenster schließt sich“
https://bankstil.de/banken-als-digital-identity-provider-das-zeitfenster-schliesst-sich
und „Payments zukünftig ohne wesentliche Beteilgung von Banken“
https://bankstil.de/payments-ohne-wesentliche-beteiligung-der-banken


Das nachfolgende Video zeigt ein Diskussionspanel auf dem Kongress der Schweizer Zentralbank 2019 zum Thema Zentralbanken, Kryptowährungen, Central Bank Digital Currencies. Im Publikum sitzt u.a.: Christine Lagarde. Für den Bereich der nicht-staatlichen, kommerziellen Anbieter hielt stellvertretend Ripple-CEO Brad Garlinghouse eine kurze Präsentation (die Lesemarke des folgenden Links springt dorthin).
Video hier
Das Video ist jedoch schon ab Minute 0:00 sehenswert, um zu begreifen, in welchem Herausforderungs-Umfeld sich Notenbanken derzeit befinden, wie sie die Lage sehen und welche Pro und Cons bei verschiedenen Konzepten diskutiert werden.


Hier eine Diskussion vom Weltwirtschaftforum über die digitale Disruption von Finanz-, Versichungs- und Bankenwesen:
Video hier


siehe auch unsere Blogartikel:


Investor Glenn Hutchins sieht Krypto-/Blockchain-Protokolle als größte technische Umwälzung seit den Internet-Protokollen (basierend auf TCP/IP). Bis heute kenne kaum ein Anwender diese Protokolle, nutze sie aber täglich: Internetseiten-Aufrufe (http-Protokoll), Email-Verkehr (smtp/pop/imap-Protokoll) etc. Dasselbe bahne sich nun mit Finanzwert-Übertragungsprotokollen an.
https://www.youtube.com/watch?v=PJ9zlMgtG84&feature=youtu.be&t=1104

Aktuell laufen Finanztransaktionen zweistufig ab … zuerst es erfolgt eine simple Informationsübermittlung, erst danach folgt mit (teils stunden- bis tagelanger) Verzögerungen die Umbuchung der Geldbeträge; echtes Geld fließt dabei gar nicht von A nach B. Im „Internet of Value“ könnten künftig Geld- und Finanzwerte – als Blockchain-Tokens – international binnen weniger Sekunden überwiesen werden – so schnell und kostengünstig wie heutzutage ein eMail-Anhang – , direkt vom Wallet der Person A/Firma A ins Wallet der Person B/Firma B ohne zwischengeschaltete Korrespondenzbanken bzw. (international) ohne deren Nostro/Vostro-Konten.


Fazit: Im Banken, Finanz- und Währungssektor beginnt ein spannendes Jahrzehnt. Auch im Bereich der Digital Assets. (wink mit dem Zaunpfahl)

 

 

 

 

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