Wir reduzieren unsere Auftrags-Verfügbarkeit bis zum 13.Juli – aus Protest gegen die MwSt-Senkungs-Schnellschuss-Symbolpolitik

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Liebe Kunden. Aus Protest gegen die MwSt-Senkungs-Symbolpolitik
verringern wir vom 26.06.2020 bis zum 13.Juli 2020 unsere Verfügbarkeit für Neuaufträge
inbesondere für nicht-zeitkritische Neukäufe/Arbeiten.

Für folgende Fälle sind wir natürlich dennoch im Einsatz, da wir uns der gesellschaftlichen Verantwortung in Corona-Zeiten bewusst sind:

  • bereits vereinbarte Termine; bereits laufende Projekte/Anbahnungen
  • EDV-Anpassungen zur technischen Umsetzung der MwSt-Senkung in Firmen
  • geschäftskritische EDV-Probleme
  • schul-/bildungskritische EDV-Probleme (auch Homeschooling-Probleme in Haushalten)
  • Probleme bei Videokonferenzen / Online-Meetings / Home-Office
  • EDV-Arbeiten/Anschaffungen für Privatleute, die in systemrelevanten/sozialen Branchen arbeiten

Desweiteren erweitern wir in dieser Zeit unsere eigenen EDV-Systeme.
** Ab dem 13.Juli sind wir wieder für in der gewohnten Zuverlässigkeit für Sie da. **

Nun zur Begründung …


Warum dieser Schritt? Für viele Selbständige und Betriebe verursacht die zeitweise MwSt-Senkung Bürokratieaufwand, Investitionskosten für Softwareanpassungen, Kosten für Dienstleister, Kosten für Software- und teils sogar Hardwareupdates (Rechnungssoftware / Kassensysteme). Zudem herrscht in vielen Sonderfällen Rechtsunsicherheit (Abo-Verträge, Sonderkündigungsrechte, mehrmonatige Projekte mit Abschlagszahlungen usw). Die Kritik gilt nicht dem Schritt als solchem, sondern a) der überhasteten zeitlichen Umsetzung, bei der mit vielen Beteiligten scheinbar schlichtweg nicht über Fallstricke in deren Geschäftsalltag gesprochen wurde und b) der Tatsache, dass etliche gesellschafts-schädigende Schieflagen im Steuersystem seit Jahren nicht angegangen werden, die sich jetzt durch Corona besonders rächen.

>> Liste nachhaltiger, sozialer, jahrzehntelang überfälliger Steuersenkungen / Steueranpassungen

Sachliche und konstruktive Beschwerden gegen meine Entscheidung richten Sie bitte nicht an uns, sondern an einen Abgeordneten Ihrer Wahl oder an einen Stimmzettel bei der nächsten selbigen.

Bitte nehmen Sie mir diesen Schritt nicht persönlich; aber ich setze hiermit mein kleines Zeichen gegen eine verfehlte Kurzschluss-Wirtschaftspolitik, die eine MwSt-Senkung mit einem Reaktionszeitraum von gerade mal 3 Wochen ohne Rücksprache mit Unternehmer- und Selbständigen-Verbänden  getroffen hat.
Bei Handwerksbetrieben und Dienstleistern, ja sogar bei Steuerberatern hört man fast nur Kritik zur befristeten Mwst-Senkung; jedoch kein Betrieb äußert Protest. Stillzuhalten ist die freie Entscheidung jeden Unternehmers; ich akzeptiere das. Auch ist mir klar, dass die deutsche Wirtschaft nicht nur aus Handwerkern und Dienstleistern besteht. Es steht es mir jedoch ebenso frei, als (im doppelten Wortsinn) Selbständiger eine gegenteilige Entscheidung zu treffen und in den kommenden zwei Wochen den Fokus auf die Weiterentwicklung geschäftlicher Konzepte zu legen.


Mittlererweile erschien ein Podcast der Wirtschaftswoche über die Fehler/Versäumnisse des Corona-Konjunkturpakets:
https://www.wiwo.de/podcast/chefgespraech/podcast-chefgespraech-ich-bin-jeden-tag-in-kontakt-mit-der-intensivstation-der-deutschen-wirtschaft/25971230.html


An Journalisten oder Blogger, die das hier ggf. lesen:

Sofern diese Aktion irgendein Presseecho erzeugt, eine ernst gemeinte Bitte:
Es bringt unsere Gesellschaft keinen Millimeter weiter, über einen Selbständigen zu schreiben, der aus Protest seine Verfügbarkeit für zwei Wochen reduziert.

Viel entscheidender ist stattdessen die Aufarbeitung folgender Themen durch guten Journalismus:

  • immer noch nicht geschlossene Steuerschlupflöcher für Großkonzerne
  • immer noch nicht unterbundene Umsatzsteuerkarusselle
  • unethische, nicht unterbundene Nahrungsmittelspekulationen durch Finanzinstitutionen
  • quasi-Nicht-Besteuerung von Gewinnen im Hochfrequenz-Wertpapierhandel im Vergleich zu 25% Kapitalertragssteuer für „konservative“ Anleger
  • die stärkere Besteuerung von Einkünften aus Arbeitskraft im Vergleich zu Einkünften aus Kapitaldienst
  • Steuergeldverschwendungen
  • keine Fortschritte beim Bürokratie-Abbau
  • weiterhin massiv unterbezahlte systemrelevante Berufe (Pflege, Gesundheitswesen u.v.a.)
  • Rekordsteuersätze im internationalen Vergleich, dennoch Erosion von Bildung, Sozialwesen, Gesellschaft, Moral und Zusammenhalt
  • stets sinkende wirtschaftliche Attraktivtät Deutschlands für Investoren und Bürger aufgrund nicht verlässlicher Rahmenbedingungen (rückwirkende Besteuerung von Renten, nachträgliche  Anhebung der Mitarbeiteranzahl zur Bestellung eines externen Datenschutzbeauftragten etliche Monate NACH Ende der DSGVO-Übergangsfrist, binnen 3 Wochen unzusetzende Mwst; kurzfristige HopplaHop-Mwst-Änderung etc)
  • sozial schändliche Exzesse bei so manchen Leiharbeitsfirmen und Sklavenverlei…„Personalagenturen“ (siehe aktuell Corona-Hotspots in der Massenfleischindustrie und den KäfighaltungenWohnblocks der Mitarbeiter), die in wenigen Wochen aus den Talkshows und Nachrichten wieder verschwunden sein werden
  • konstruktive Vorschläge für mehr Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit im Wirtschafts- und Steuerrecht:
    Liste nachhaltiger, sozialer, längst überfälliger Steuersenkungen / Steueranpassungen

PS: Anfragen für Interviews oder für schriftliche Stellungnahmen werden nicht beantwortet.

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