** WTF? Berliner Gerichte und Windows 95 – Codebasis? Eine Kolumne.

Berlin – failed city. Nächster Teil.

Berliner Tagesspiegel vom 29.10.2019:

Ein Virus legt das IT-System am Kammergericht lahm. Fachleute sahen schon vor zwei Jahren ein Sicherheitsrisiko – die Software war hoffnungslos veraltet. (…) Ein dem Tagesspiegel vorliegendes Gutachten belegt, dass Experten die Abschaffung des auf dem Betriebssystem Windows 95 basierenden Programms bereits im Jahr 2017 gefordert hatten. Passiert ist, zumindest mit Blick auf das Kammergericht, bis heute nichts.

Ok … Moment … Was ? Wie?

… des auf dem Betriebssystem Windows 95 basierenden Programms …

Achso. Gut, dass bereits (bereits!) im Jahr 2017 gewarnt wurde, ein auf Windows95 basierendes (ich vermute mal gemeint ist: ein bzgl. der mitgeschleppten Codebasis aus Win95-Zeiten stammmendes Programm) als „veraltet“ einzustufen.
Der Tagesspiegel Artikel ist missverständlich, denn die Gerichte arbeiteten NICHT mit mehr Windows95 sondern mit Windows 7; wahrscheinlich konkret mit Windows 7-32bit; denn das uralt-Programm ließ wohl nichts anderes zu.

Aber weiter im Text!

Wörtlich heißt es in dem von der Unternehmensberatung „Accenture Operations“ erstellten Gutachten zu Aulak unter dem Stichwort „Risiken“: „Nicht supportete Software und Betriebssysteme sind ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko.“

Echt jetzt? Eine Studie einer Unternehmensberatung ergibt, dass Software, deren Kernbestandteile auf ggf. 25 Jahre alten Libraries beruhen, ein Sicherheitsrisiko darstellen kann?
Darf ich bitte auch mal so eine Studie schreiben … fürs gleiche Geld? 🙂

Es geht noch weiter:

Berliner Tagesspiegel vom 08.09.2020:

Erneut erlebt die Berliner Justiz eine größere IT-Panne. Die Computer der Richter sind am Dienstag reihenweise ausgefallen. (…)

Am Dienstagnachmittag hatten die Richterinnen und Richter am Kammer- und Landgericht sowie an den Amtsgerichten die Nase voll. Nichts ging mehr, arbeiten am Computer, Verfahren zu Straftätern bearbeiten war unmöglich. Nicht wenige verließen das Büro. Von einem Problem mit einem Update des Betriebssystems Windows10 in der vergangenen Woche war in der Richterschaft die Rede.
(…)
Erstmals war das System nach der Umstellung auf Windows10 am Donnerstag zusammengebrochen. Am Wochenende versuchte das ITDZ das Problem zu beheben, scheiterte aber. Betroffene Mitarbeiter in der Justiz berichten, dass der Bildschirm am PC einfriere. Inzwischen soll es Überlegungen geben, wieder auf die alte Windows95-Umgebung zurück zu wechseln.

Achso. Ein kleiner Wald, Feld- und Wiesen-Informatiker warnt seine Kunden seit Jahren, dass Software, deren Kernbestandteile älter als ca 5-7 Jahre sind

  • unter Windows10 ggf. nicht zuverlässig läuft
  • unter Windows10 teils irreparabel abstürzt
  • nicht zwangsläufig auch in einigen Monaten noch unter Windows10 funktioniert, selbst wenn es das aktuell tut. (Grund: automatische Windows10-interne Updates ändern u.A. Bestandteile des Betriebssystem-Fundaments)

Aber eine behördliche IT-Firma prügelt mal eben schnell etliche Rechner mit 20-25 Jahre alten Softwareclients auf Windows10 hoch, nach dem Motto „wirdschogutgehn“ …. nur um sich dann zu wundern, dass es zu Program-Freezes, BlueScreensOfDeath oder Windows-Stopcodes kommt?

Fazit:

del berlin.* 
format c:
copy "civilization.sid" "berlin.city"

Quellen:

Nostalgia:

Berlin – failed city. Fortsetzung wird sicherlich folgen!

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