*** Lockdown-Müdigkeit? Gamifizieren wir die Pandemie durch Positivanreize und einen Marketing-Wettbewerb des richtigen Verhaltens!

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(erstveröffentlicht Mitte April 2021)

Viele Menschen sind lockdown-müde. Oft liegt es gar nicht an den Lockdowns selbst, sondern an der gefühlt uninspirierten Holzhammer-Methode, wie diese Lockdowns ausgelöst werden.
Ausgangsperren und Verbote – das kennt man von der Kindeserziehung – wirken auf Dauer eher bescheiden und führen nicht in dem Maße zu Verhaltensänderungen, wie man das gerne hätte. Ich wage die Frage, warum diese Erkenntnis nicht im Pandemiemanagement Einzug hält; z.B. durch die Einführungen spieltheoretischer und game-ifizierender Ansätze.
Warum geben wir als Gesellschaft Milliarden für Corona-Rettungspakete und Krankheitskosten aus, die man als Anreizsystem für bessere Verhaltendisziplin und damit ggf. zur Vermeidung von Lockdowns aufgrund gesenkter Inzidenzwerte nutzen könnte?

Beispiel 1: Was hat vor einigen Jahren scharenweise Jugendliche zur Bewegung an der frischen Luft getrieben? Eine Gesundheitskampagne? Eine Verbotskampagne? Nein, es waren spielerische Anreize wie Geocaching oder das Monster-Sichten und Punktesammeln mit Pokemon Go.

Frage2: Der Satz „Wenn Du am Jahresende sitzen bleibst, gibts ein Verbot“ kommt beim Schüler meist wie folgt an:
„Es reicht ein Zeugnis, das nur aus 4ern besteht“. Für den lernverhalten wirkt folgender Satz besser: „Für jede gute Anstrengung bekommst Du Positivpunkte. Ab xxx Punkten bekommst Du dann diese Belohnung [frei wählbar].“

Zeit, für neue Ideen, nachfolgend einige Gedankenexperimente:

Gamification/Anreiz-Ideen:

Wie wäre es mit Anreizsystemen, um die Bevölkerung inklusive der Betriebe zu einer bewussteren Umsetzung von Alltagsmaßnahmen anzutreiben, um es gar nicht erst zur Auslösung der Lockdown-Schwellenwerte kommen zu lassen?

Hier einige kurze Brainstorms, die den Gamifizierungs-Grundgedanken erahnbar machen und gerne als Denkanstöße für weitere Ideen genutzt werden dürfen:

  • Die Kommune oder ein nicht-amtliches Team sammelt sammelt örtliche Spendenzusagen von Firmen und Haushalten.
    Der Wettbewerb lautet: „Sobald die Kommune binnen x Tagen eine bestimmte Inzidenzschwelle unterschreitet und diese für eine bestimmte Zeit anhält, werden die Spendenzusagen aktiviert“
    Diese Spendengelder könnten genutzt werden z.B. für die Digitalisierung der örtlichen Schule; für Nachhilfe-Programme (z.B. Bezahlung freiwilliger Nachhilfe-Geber in Klassenzimmern während der Sommerferien) usw.
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  • Corona-App: Man stelle sich vor, man erhielte als Bürger z.B. jeden Woche einen symbolischen Geldbetrag in eine digitale Handywallet, wenn man die Corona-App über einen Monat mindestens gemittelt 5 Stunden am Tag aktiviert hat.
    Oder der Staat teilt dieses „Belohnungsgeld“ für Schulsanierungen/digitalisierungen zu, während der App-Nutzer auf seinem Smartphone ein animiertes Feuerwerk angezeigt bekommt mit der Nachricht „Danke für die konsequente Nutzung der Corona-App; sie haben diese Woche 7 EUR für Schulsanierungen oder Projekt XY erzielt“.
    Oder man nutzt den Schnäppchenwahn des deutschen Konsumenten durch eine Kooperation der Corona-App mit Payback/Bonus-Systemen (Erhalt von Punkten für bestimmte Nutzungsdauerintervalle).

    Ich weiß, es kommt sofort die Gegenfrage: Das ist zu teuer. Woher das Geld nehmen?
    Gegenfrage zur Gegenfrage: Was ist teurer … Anreizsysteme schaffen, um Infektionsraten zu senken und Lockdowns zu verkürzen/verhindern? Oder einfach nur tatenlos Infektionen zählen, Lockdowns verhängen, um dann teure Rettungspakete für Firmen/Ladengeschäfte aufzulegen, die man anderenfalls ggf. hätte offen halten können?
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  • Anreiz: „Wenn 2 Wochen unter Inzidenz 50, dann [Belohnung hier einsetzen]“
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Weitere Ideen zur besseren Bewältigung der Pandemie:

  • Gebot zur Führung von Kontakttagebüchern insbesondere für Personenkreise mit erhöhter Mobilität und erhöhter Kontakt-Anzahl, z.B. Handwerker, Techniker, Aussendienstler, mobile Sozialdienste etc.
    Die Kontaktverfolgung im Infektionsfall könnte somit erleichert werden. Meist reicht dazu das Auftragsbuch, der Terminplan, das Fahrtenbuch.
    Wird das Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung entlastet, könnten dort freigewordene Ressourcen für das Nachdenken über sinnvolle Maßnahmen gegen immerwiederkehrende Infektions-Hotspots oder anderweitige Optimierungen genutzt werden.
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  • Detailliertere Erfassung von Infektionsfällen (berufliche Tätigkeit, Branche der Arbeitsstätte, Raumtypus des Arbeitsplatzes z.B. Produktion, Werkstatt, Büro, Großraumbüro, Montagehalle, Ladengeschäft) zwecks späterer Ermittelbarkeit von Hotspot-Typisierungen bzw. Entlastung fälschlicherweise als kritisch gesehener Branchen.
    Mehr zur „Datenerhebungs-Misere“ hier.
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  • Presse/Medien: Anstatt in Radio/TV stundenlang täglich Lockdown-Maßnahmen und Impfstatistiken zu deklinieren/diskutieren , wäre es sinnvoll, wenn vor jeder neuen Sendung ein 60-Sekünder-Spot ausgestrahlt würde zum Thema: „Alle 30 Minuten Lüften verringert das Infektionsrisiko in geschl. Räumen um x % … „Tipps: FFP2-Maske richtig handhaben“ ….. „Abstand halten“ …. „draussen ist Infektionsriskiko geringer als drinnen“ …. „visuelle Computeranimation zur Verbreitung von infektioöser Atemluft in einem geschlossenen Raum ohne Durchzuglüftung versus mit Durchzugslüftung“.

    Die öff.rechtl.-TV- und Radiosender erhalten die GEZ Gebühr von Steuerzahlern und Ladengeschäften, die immer wieder durch Lockdowns finanzelle Einbußen erleiden müssen. Wäre es nicht sinnvoll, wenn die Bundespolitik zumindest die öff.rechtl.Sender „motivieren“ könnte, regelmäßige Tipps zur Infektionsvermeidung/drosselung auszustrahlen?

    Hierbei sollten auch Streamingportale einbezogen werden (netflix, spotify etc) …. ein kurzer Infoscreen oder Laufbalken mit Verhaltenstipp vor dem Film oder der Serienepisode genügt. Denn viele Menschen unter 40 konsumieren kein „lineares“ Fernsehen/Radio mehr und werden somit bislang überhaupt nicht erreicht.

    Auch sollten wir unsere ausländischen Mitbürger und deren TV-Sender/Informationskanäle dabei nicht im Stich lassen. In dortigen Haushalten findet die deutsche Medienlandschaft unter Umständen gar nicht statt, vielleicht aus Gewohnheit, vielleicht auch einfach nur durch sprachliche Defizite.

    Auch hier kommt gerne das Gegenargument: Kostet Geld! Zu Teuer!
    Meine Gegenfrage zur Gegenfrage: Was ist teurer: Anreizsysteme schaffen, um Infektionsraten zu senken und Lockdowns zu verkürzen/verhindern? Oder einfach nur tatenlos Infektionen zählen, Lockdowns verhängen, um dann teure Rettungspakete für Firmen/Ladengeschäfte aufzulegen, die man anderweitig hätte offen halten können?
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  • Verpflichtung“ von Schulen, Betrieben, Praxen, Kliniken, Altersheimen zu – je nach Begebenheiten – passender / empfohlener Durchlüftungsdisziplin. Tägliche Benennung eines Mitarbeiters pro Büro / eines Schülers pro Klassenzimmer als „Lüftungsoffizier“.
    Man stelle sich vor, jede Woche erhielte ein Schüler einen „Lüftungs-Sheriff“-Ansteck-Stern und wie stolz (und gewissenhaft) jedes Kind für die Übertragung dieser wichtigen Aufgabe wäre.
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  • Wenn das Lüften so wo wichtig ist, warum wird es dann nicht umfangreich via Dauerschleife kommuniziert? Selbst das Bundesgesundheitsministerium twitterte Ende April 2021 – mir unverständlich – nur „AHA“-Regeln ohne das „L“ für Lüften.
    Wichtig ist insbesondere das richtige Lüften, um keine kontraproduktive Dauerverwirbelung der Raumluft zu vermeiden.
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  • Warum warten manche Stätten auf den Erhalt von CO2-Meldern als Erinnerungswerkzeug für regelmäßiges Lüften? Ein Küchenutensil hilft ggf. auch, ebenso wie der Timeout-Wecker eines Smartphones.
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  • Wie sehr dieses Land in Bauvorschriften, Sicherheitsvorschriften und Haftungskaskaden gefangen ist, zeigt der Fall der Selbstbau-Entlüftungsanlage für Klassenzimmer. Luftströmungs-Simulationen von Klimatechnikern und Forschungseinrichtungen zeigen, dass die wirkungsvollste Aerosol-Abführung über mehrere Deckenabzüge eines Raumes erreicht wird. Da Luftreinigigungsgeräte für Klassenzimmer sehr teuer sind (Anschaffungskosten + Stromkosten), hatte ein Team des Max-Plack-Instituts eine Selbstbau-Entlüftungsanlage entwickelt und die Bauanleitung veröffentlicht. Prinzipiell besteht das System aus einem Computergehäuse-Lüfter, Draht, Folie und Kunstoffrohren.
    Forderung: Lockerung der Bürokratie zwecks Umsetzbarkeit der
    Max-Planck-200€-Baumarktartikel-Klassenzimmerlüftungsanlage
    Mein Angebot einer Spende für die ersten beiden Schulen, die eine solche Anlage bauen lassen, steht übrigens noch!
    Aber: Solange Schulen pauschal landkreisweit geschlossen werden, ohne das jeweilige Infektionsgeschehen in jeder Schule zu berücksichtigen, fehlt der Anreiz für Schulen, eine freiwillige Investition in Entlüftungsmaßnahmen anzudenken. (auch hier fehlt der Anreiz zu Wettbewerb)
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  • Ich vermisse regelmäßige Tipps in Presse, Funk und Fernsehen zur natürlichen Stärkung des Immunsystems (ohne Pharmaprodukte!)  (frische Luft, Sonne auf Haut => VitaminD-Bildung, gesunde Ernährung usw.).
    Warum nur Impfen und Lockdownen? Das Immunsystem von uns Menschen ist eine ebenso wichtige Waffe gegen die Pandemie, oder nicht? Einer der größten Feinde des Immunsystems sind übrigens: einseitige Ernährung, Bewegungsmangel, Streß und Schlafmangel. Exakt diese vier Risikofaktoren nehmen seit Beginn der Pandemie stark zu. Hier könnten beispielsweise Krankenkassen zu Gesundheitskassen werden, indem Sie bessere Anreizsysteme und schlagkräftigere Aufklärungskampagnen ersinnen.

    Ob man die Pandemie damit bewältige kann, indem man medial „Impfneid“ schürt (um die Impfbereitschaft durch „Verknappungsbotschaften“ oder „Lockerungen für Geimptfte“ zu steigern), waage ich zu bezweifeln, denn irgendwann könnte eine Mutation auftauchen, bei der richtiges Verhalten im Alltag wieder gefragt ist.
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  • Optimierungsmöglichkeiten der Corona-App
    … Diese Aspekte wurden ausgelagert in einen separaten Artikel:
    Warum die Corona-App bei vielen Nutzern ungenutzt bleibt. Einige gut gemeinte Verbesserungsideen.
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FAZIT:

Politik, Medienschaffende und Entscheider aller Ebenen sollten versuchen, Lockdown-Strategien durch
– Anreizsysteme
– das Dauermarketing von Alltags-Verhaltenstipps
– spieltheoretische Elemente präventiv

zu begleiten.
Mit neuen Ideen outside-the-box ließe sich diese Pandemie ja vielleicht effektiver, und spannender meistern.
Ein Dialog zwischen Medienschaffenden, Politikern, Erziehungswissenschaftlern, Soziologen und Social-Gamification-affinen Wirtschaftsinformatik-Lehrstühlen wäre wünschenwert.

Einige externe (z.T. wissenschaftliche Artikel) zu Gamification of Social Behaviour, Pandemic Tutorial Gaming etc:

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