* Präsenzunterricht mit Schnelltests senkt Covid19-Dunkelziffer. Führt Distanzunterricht zu Erhöhung des Infektionsgeschehens?

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Die Ludwig-Maximilians-Universität München hat sich statistisch dem Thema
„Schulschließungen versus Schulöffnungen mit Reihenschnelltests“ gewidmet.

Hier der vollständige PDF-Bericht der LMU München:
–> https://www.covid19.statistik.uni-muenchen.de/pdfs/codag_bericht_14.pdf (Seiten 6-12)

Betrachtungen:
(A) Testet man alle zum Unterricht erscheinenden Schüler mehrmals die Woche vor Unterrichtsbeginn, steigen ggf. die Positivfunde und damit die 7-Tage-Inzidenz. (Grund: Negativfunde werden ja derzeit leider statistisch nicht berücksichtigt, sondern nur „Treffer“ gezählt).

(B) Durch die Reihentestungen in Schulen werden jedoch Infektionen aus Haushalten aufgedeckt, die anonsten nicht oder erst später nach weitere Neuinfektionen bzw. nach Eintritt von Symptomen gefunden worden wären.
Der Präsenzunterricht mit Reihentestungen vor Unterrichtsbeginn senkt also die Dunkelziffer.

(C) Reihentestungen in Schulen führen zu früheren Quarantänen der betroffenen Haushalte bzw. der Testung anderer Haushaltsmitglieder, was den weiteren Eintrag aus/in das Berufsumfeld der Eltern durch die Eltern minimiert.

(D) Schließt man alle Schulen, weil – z.b. durch Covid19-Ausbrüche in Haushalten/Betrieben – der Inzidenzgrenzwert gerissen wurde, finden keine Reihentestungen der Schulkinder/Schuljugendlichen mehr statt.
Dadurch steigt die Dunkelziffer der (oft symptomlosen) Infektionen unter Kindern/Jugendlichen während der kommenden Wochen wieder an. Der Inzidenzwert sinkt zwar ggf. vorerst, kommt aber (Jojo-Effekt) verspätet als Bumerang wieder zurück.

(E) Das Papier der LMU versuchte auch, die Infektionsgefahr in Schulen (und Schulweg) sowie die Unschärfe der Antigen-Schnelltests in die Risikoabwägung einzubeziehen.

(F) Ich möchte persönlich anmerken:
Es ist natürlich vorausgesetzt, dass in den Schulen gute Hygiene-/Lüftungskonzepte umgesetzt/eingehalten werden. Meine Beobachtung zeigt, dass viele Schulen deutlich konsequentere Abstands-, Masken- und Lüftungsmaßnahmen verfolgen als so manche Betriebe und Haushalte. Wenn also Infektionen in Schulen „auffliegen“, heißt das nicht automatisch, dass die Infektionen auch während des Schulaufenthalts/Unterrichts erfolgten. In Kindergärten/Kitas mag die Lage anders sein, da dort eine „ungünstigere“ Kontaktnähe, Durchmischungsintensität und Aerosoldurchwirbelung vorliegt.
Schnelltests sollten nicht als pures Allheilmittel-/Freifahrtschein überinterpretiert werden; jedoch durchaus in eine flexiblere Strategie miteinfliessen.

Hier der vollständige PDF-Bericht der LMU München:
–> https://www.covid19.statistik.uni-muenchen.de/pdfs/codag_bericht_14.pdf (Seiten 6-12)

Zitat aus dem Bericht der LMU:

Unsere (Anm: LMU München) Überlegungen zeigen, dass das unmittelbare Risiko der Ansteckung an Schulen (inklusive Schulweg) trotz verpflichtender Tests (Stichwort: falsch-negativ Getestete) durch den positiven Effekt der zusätzlichen Entdeckung von Infektionen kompensiert werden kann.

Durch die Testpflicht an Schulen kann die Dunkelziffer unter den Schülern
um einen Faktor von 4 bzw. 2 reduziert werden – die Meldeinzidenzen steigen demzufolge an.
Bei Schulschließungen und Wegfall der Reihentests steigt die Dunkelziffer entsprechend wieder an.

Daher sollten bei Durchführung solcher Screening-Maßnahmen die Schwellenwerte neu bewertet werden.
Insbesondere ist zu beachten, dass bei einem Wechsel zwischen Schulöffnung und Schulschließung (etwa bei der Unter – bzw. Überschreitung des aktuellen Schwellenwertes von 100 gemeldeten Infektionen pro 100.000 Einwohnern in Bayern) ein Jojo-Effekt in den Meldeinzidenzen zu erwarten ist, der weniger das Infektionsgeschehen als vielmehr die hier beschriebenen Effekte der Testpflicht auf die Dunkelziffer widerspiegelt.

Quelle: Codag Bericht 14 der LMU München, Ende April 2021
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