* Warum die Corona-App bei vielen Nutzern Potential verschenkt. Einige Verbesserungsideen:

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Entgegen der aktuellen Bewegung „shitstormen kann jeder, konstruktive Verbesserungsvorschläge macht kaum jemand“ hier eine Liste meiner subjektiven Beobachtungen / konstruktiven Ideen für die Corona-App:

  • Wir beobachten im Alltag in vielen Haushalten und Betrieben ärgerliche Covid19-Verhaltensfehler, oftmals aus Unwissenheit, Gedankenlosigkeit oder Uninformiertheit (immer noch, oder wieder). Vielleicht wäre es eine Idee, die Corona-App könnte durch eine Tippgeber-Funktion zu bereichern für bessere Einhaltung der Regeln im Alltag.
    Beispielsweise die 1x tägliche Anzeige eines kurzen Verhaltenstipps auf dem Smartphone 1x täglich; oder in Form eines Mini-Quizes mit Punkte-Ranking, um durch einen spielerischen Anreiz zu verhinden, dass Tipp-Einblendungen ungelesen weggewischt werden. Das Thema „Richtiges regelmäßiges Lüften“ sollte dabei nicht vergessen werden. In der spielerischen App „Super Simple Stuff“ fehlt beispielsweise das Thema des regelmäßigen Lüftenms.
  • Leider denken immer noch viele Menschen, die Corona-App würde persönliche Daten preisgeben und nutzen daher die App nicht. Aus Kreisen von Ämtern habe ich die Aussage, dass sich infizierte Personen nicht in der Corona-App positiv gemeldet haben, aus Scham und Stigmatisierungsangst. Dass die Corona-App keine Namen und keine Mobilfunknummern meldet (weil sie diese gar nicht kennt) wissen viele Menschen nicht.
    Hier liegt ein Kommunikationsdefizit der Politik vor. Die App könnte beispielsweise auch selbst aufklären; z.B. mit einer Einblendung „Wussten Sie schon, dass bei einer Positivmeldung keine Rückschlüsse auf Ihre Person möglich sind? „
  • Die Corona-App wurde von vielen Menschen zwar installiert; in so manchen Fällen läuft sie jedoch ins Leere (so beispielsweise bei mir), denn ich arbeite überwiegend von Zuhause und habe – um den Smartphone-Akkuzu schonen – die Handyfunktionen „Bluetooth“ und „Ortung“ stets deaktivert. Allzuoft wird dann vergessen, beim Verlassen des Hauses diese beiden Funktionen zu aktivieren; somit können keine Kontakt-Begegnungen erfasst werden.

    Vielleicht könnte man dies durch Bonus-/Anreizsysteme/Punktesysteme beinflussen?
    Man stelle sich vor, man erhielte als Bürger z.B. jede Woche einen halben Euro in eine digitale Handywallet, wenn man die Corona-App im Monat mindestens gemittelt 5 Stunden am Tag aktiviert hat. Oder der Staat teilt dieses „Belohnungsgeld“ für Schulsanierungen/digitalisierungen zu, während der App-Nutzer auf seinem Smartphone ein animiertes Feuerwerk angezeigt bekommt mit der Nachricht „Danke für die konsequente Nutzung der Corona-App; sie haben diese Woche 7 EUR für Schulsanierungen oder Projekt XY erzielt“.
    Oder man nutzt den Schnäppchenwahn des deutschen Konsumenten: Kooperation der Corona-App mit Payback/Bonus-Systemen (Erhalt von Punkten für bestimmte Nutzungsdauerintervalle) und dann Teilnahme an einer Verlosung oder an Einzelhandelsgutscheinen.

    Sprachlernprogramme machen es u.a. so: Dort erscheint nach einem Tag ohne Nutzung ein traurig und enttäuscht dreinschauendes Maskottchen mit den Worten „Ich habe Dich vermisst.“ oder eine positive Aufforderung „Hey, lass uns weiterüben“.
  • Die Corona-App wiegt Nutzer, die schnell aufs Smartphone schauen, unabsichtlich in falscher Sicherheit. Selbst wenn die Corona-App wochenlang keine Daten abgleichen konnte (durch dauerhafte Deaktivierung von Bluetooth und Standortdiensten), zeigt sie in einem grünen Balken den Text „Niedriges Risiko – keine Risiko-Begegnungen“. Auch erscheint auch das aktuelle Datum in dieser Meldung.
    Ja, ich weiß: In Zeile 2 darunter steht „Aktiviere Bluetooth, um ….“. Ich weiß, was Bluetooth ist und dass die App ohne Bluetooth und Ortung ihre Arebti nicht verrichten kann. Aber bei nicht technik-affinen Massenanwendern Nutzern überwiegt der Trugschluss durch das grüne Signal („alles OK“).
    Hier sollte eine bessere Darstellung gefunden werden.
  • Lässt man die Corona-App deaktiviert, erscheint abendlich die irreführende Meldung „Fehler beim Überprüfen der Kontakte“. Technisch gesehen ist die Meldung korrekt.
    Für so manche Nutzer wirkt das jedoch so, als sei die Übertragung der Begegungen fehlerhaft und die falsche Interpretation wäre dann: „Die Meldungsfunktion der App ist fehlerhaft. Die App taugt echt nichts.“
    Dem ist natürlich nicht so; stattdessen liegt der Fehler tatsächlich beim Nutzer selbst, weil er Bluetooth und Standortdaten nicht aktiviert hatte. Vielleicht könnte dieses Nutzerverhalten verbessert werden durch regelmäßige Aufforderung „Hilf mit zu schützen und weitere Lockdowns zu vermeiden. Schalte Bluetooth/Standortdienste an und mach mit!“
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  • Beschämend ist, dass die Bundespolitik und Medienlandschaft der App keine sichtbare Schützenhilfe/Rückendeckung zu geben scheint; auch angesichts der Steuergelder, die in die Entwicklung und den laufenden Unterhalt gesteckt wurden/werden.
    Es wäre „guter Stil“, wenn die Bundespolitik die App ambitioniert vermarkten/promoten würde, anstatt sie aufzugeben (so wirkt das zumindest). Und angesichts der GEZ-Gebühren, die von Steuerzahler monatlich in die öff.rechtl. Sender „abgebucht“ werden, wäre es eigentlich nur fair, wenn diese TV/Radio-Sender von der Politik auch „angehalten“ würden, Projektmarketing für (a) eine konsequentere Nutzung der App und (b) für wichtige Aerosolpandemie-Verhaltensregeln zu betreiben.
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  • FAZIT:
    Es wäre schade, wenn diese technisch gute App nicht ihr gesamtes Potential ausschöpfen würde. Softwareprojekte scheitern oft nicht an der Software selbst, sondern weil
    a) der Nutzer das Produkt nicht annimmt
    b) Texte und Meldungen nicht so sieht / nutzt / interpretiert
    wie es die Entwickler aus ihrer Perspektive einschätzen.

    Diese Liste ist mein Beitrag, um die Perspektive auf die Sichtweise von Nutzern zu lenken, die eine oberflächliche Anwenderbrille aufhaben und die Texte/Grafiken nicht so lesen, wie sie von Informatikern gemeint sind. Dieser Beitrag ist keine Pauschal-Kritik am Entwicklerteam der App; sondern eine konstruktive Einladung für die Antizipierung der Sicht des „unbedarften“ App-Nutzers, der sich nie damit beschäftigen wird, wie die App technisch arbeitet und der nie Online-FAQs zur App lesen wird, egal wie gut diese geschrieben sein mögen. Ein Lernspiel/quiz in der App hätte sicherlich den besseren Effekt.

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